Tag 28: Oruro - Copacabana (Lago Titicaca)

Zum höchsten schiffbaren See der Welt, dem 3810m hoch gelegenen Titicacasee oder im Spanischen auch Lago Titicaca genannt, werden wir heute aufbrechen.

Die Fahrtstrecke führt uns dabei zunächst in Richtung La Paz, genaugenommen in Richtung der “Oberstadt” nach El Alto, welche seit 1985 eine eigene Stadt ist. In El Alto liegt auch auf 4200m ü.NN der höchstgelegene internationale Flughafen der Welt.

In El Alto wollen wir eigentlich nur kurz abbiegen, um dann weiter in Richtung Titicacasee zu fahren. Da ja bekanntermaßen Bolivianer viel Zeit ihr Eigen nennen, haben sich heute mal wieder einige dazu entschlossen, einfach auf der Autobahn zu demonstrieren. D.h., um hier wieder aus dem Verkehrschaos zu kommen, bedarf es der Hilfe der Polizisten, denn in welcher Stadt kommen einen sonst auf einer Einbahnstraße dreispurig die Taxis in falscher Fahrtrichtung entgegen.

Den Irrungen und Wirrungen der Großstadt entkommen, kann die Fahrt nun ungestört weitergehen. Die Strecke führt durch relativ ebenes Land, sie wird aber umrahmt vom herrlichen Panorama der Königskordillere, das Altiplano zeigt sich mal wieder von seiner schönsten Seite.

Verwunderlich ist auf fast 4000 Höhe die Vegetation, hier wachsen sogar noch Bäume. Und das es am Titicacasee Schilf gibt, das war mir bis zu diesem Zeitpunkt auch neu.

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Uferschilf am Lago Titicaca

Einer der dies gewusst hat, war der norwegische Forscher Thor Heyerdahl, der vom Schiffsbauer Paulino Esteban nach der Endtäuschung mit seiner Ra die Ra II und alle folgenden Schilfboote anfertigen ließ. Mit diesen Booten wollte Heyerdahl aufzeigen, dass die Polynesier mit Booten aus Südamerika zu den polynesischen Inseln ausgewandert sind.

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Paulino Esteban vor dem verkleinerten Nachbau von Thor Heyerdahls Ra II

Genau dieser “Werft” von Paulino Esteban statten wir nun einen Besuch ab. Der Meister ist auch selbst Zuhause. Auf seinem Werksgelände steht auch eine verkleinerte Ausführung von Heyerdahls Ra II. Ich lasse mir auch die Chance nicht entgehen, eine kleine “Spritztour” mit einem kleinen Kanu aus Schilf zu unternehmen.

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Bootstour mit dem Schilfboot

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Landschaft am Lago Titicaca

Weiter geht die Fahrt nach San Pablo de Tiquina. Hier müssen wir das Transportmittel wechseln, da zwischen San Pablo de Tiquina und San Pedro de Tiquina keine Straße vorhanden ist. Beide Orte trennt der Titicacasee an seiner schmalsten Stelle. Die 800m schmale Stelle zwischen dem “Festland” und der Copacabana Halbinsel muss man mit der Fähre zurücklegen.

Für lebendes Inventar (Reisegäste, ...) gibt es dabei handelsübliche Boote, nur die Fahrzeuge müssen auf abenteuerliche Holzboote umsatteln. Angetrieben von einem 15PS-Motörchen versuchen diese mehr schlecht als recht das gegenüberliegende Ufer zu erreichen. Dass hier, bei bis zu 70m Wassertiefe, kein Boot sinkt, ist schon fast verwunderlich oder einfach bolivianisches Organisationstalent.

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Fährbetrieb auf bolivianisch am Lago Titicaca zur Halbinsel Copacabana

Aber auch dieser “Wackelkandidat” kann uns von unserem Tagesziel nicht abbringen, wir wollen in den Wallfahrtsort Copacabana auf der gleichnamigen Halbinsel. Manch einer wird sich nun denken, der Wallfahrtsort (für brasilianisch braun gebrannte Schönheiten) Cobacabana liegt doch in Rio de Janeiro, was soll denn das hier dann?

Ganz einfach: Seit dem 16.Jahrhundert gibt es die Kathedrale von Copacabana mit seiner Virgin de Candelaria, der schwarzen Madonna, die in Südamerika den gleichen Stellenwert wie Santiago de Compostela bei uns in Europa hat. Als man damals in Rio eine Kapelle auf einem Uferabschnitt vor der Stadt einweihte, gab man ihr den Namen dieses Wallfahrtsortes. An genau diesem Uferabschnitt ist dann die heutige Copacabana von Rio de Janeiro entstanden.

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 Pilgerort Copacabana mit Kalvarienberg und Lago Titicaca

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Kathedrale von Copacabana

Zum Abend hin erreichen wir Copacabana, mit 5km Abstand schon fast an der peruanischen Grenze gelegen, direkt am Titicacasee. Vom See zu unserem Hotel sind es nur einige Meter.

Hatte ich schon in den letzten Tagen Schluckbeschwerden, so nehmen sie jetzt schon langsam überhand und das ohne Fieber oder Ähnliches. Solange ich nicht schlucken muss, bemerke ich überhaupt nichts. Und wenn es was zum Runterschlucken gibt, dann habe ich Schmerzen, die kaum noch zum aushalten sind. Die Mandeln sind es nicht, kalte oder warme Getränke helfen nichts. Aber es wird noch einige Tage dauern, bis ich hier die Lösung finden werde.

Tag 29: Lago Titicaca - Isla de Sol (Sonneninsel)

Die Isla del Sol, die Sonneninsel, ist einer der heiligsten Orte der Inka. Mit dem Boot wollen wir heute der Insel einen Besuch abstatten.

Gute 2 Stunden dauert die Fahrt mit dem kleinen Boot für 15 Personen bis zum Nordteil der im Titicacasee gelegenen Insel. Dort befinden sich die Ruinas Chincana, die Überreste des Sonnentempels. Um die Riesenfußabdrücke auf der nahegelegenen Pisadas del Sol erkennen zu können, bedarf es aber schon sehr viel Einbildung.

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Ruinas Chincana im Nordteil der Isla del Sol im Lago Titicaca

Da uns die Wetterlage zu instabil erscheint, sehen wir davon ab, über die Insel zu wandern, statt dessen legen wir die Strecke wieder per Boot zurück.

Nächster Stopp sind die Inkatreppen, die Escalera del Inka mit dem Inkabrunnen. Aus einer Steinwand strömt hier das Wasser in einen Brunnen, die kostbarste Wasserquelle auf der Insel. Dass es hier nur so von Grünzeug wimmelt, und das fast auf 4000m Höhe, ist schon faszinierend.

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Inkatreppe - Escalera und Fuente del Inka - Grüne Landschaften auf der Isla de Sol

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Inkatreppe - Escalera und Fuente del Inka - Grüne Landschaften auf der Isla de Sol

Die nächste Etappe bringt uns zum Pilkokaina- Palast, der Ruine eines zweistöckigen Inkapalastes. Anschließend geht es wieder zurück nach Copacabana, wieder vorbei an der Basis der bolivianischen Marine. Ja wirklich, obwohl Bolivien keinen Seehafen hat, hat es eine eigene Marine und sogar ein eigenes kleines Boot, was aber meist auf Reparatur ist. Ohne Scherz kann man hier von einer “Gebirgsmarine” sprechen.

Kaum wieder Festland unter den Füßen statten wir der Kathedrale von Copacabana einen Besuch ab. Kathedrale ist vielleicht etwas übertrieben, denn die Kirche hat nicht die gewohnten riesigen Ausmaße.

Die Virgin de Candelaria, die schwarze Madonna, ist an einem Altar in einem Seitenschiff untergebracht. Was die heidnischen Utensilien vor der Kirche mit Glauben zu tun haben, bleibt mir schleierhaft, aber anscheinend braucht man das hier so.

Da noch genügend Zeit bis zum Abendessen ist, lasse ich es mir mit zwei Leidensgenossen nicht nehmen, zu überprüfen, ob die Aussicht vom Calvario, dem Kreuzberg von Copacabana, wirklich so schön ist. Der Weg dorthin sollte zwar eigentlich ein katholischer Kreuzweg sein, es ist aber ein Sammelsurium aus indianischen Vorstellungen und Katholizismus, gerade so, wie man es braucht. Trotz allem, auf 4000m Höhe verlangen die 200m Höhenunterschied schon sehr vielen vom Kreislauf. Die Aussicht oben ist zwar schön, aber nur dann, wenn man von den unzähligen Brandstellen der Opferaltäre oben hinwegsieht.

 

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