Tag 9: Foz do Iguacu (Paraná) - Dourados (MS - Mato Grosso do Sul)

Der heutige Tag ist fast ein reiner Fahrtag, da mit 850km die Entfernung nach Jardim an einem Tag zu weit wäre. Aber wie kommt man nun am schnellsten von Foz do Iguazu nach Westen, es ist ja der Stausee von Itaipu im Weg?

Es bleibt also nichts anderes übrig, als den Stausee nordwärts zu umfahren. Dies bedingt, dass man auf guten Nebenstraßen durch brasilianisch “kleinbäuerliche” Gegenden kommt. Nicht nur die Landschaft erinnert an Mitteleuropa, auch die Gesichtszüge der Menschen kommen einen hier sehr bekannt vor. Wir durchfahren hier eine Gegend mit sehr vielen deutschstämmigen Auswanderern. Mangels fehlender Ritterburgen und Stadtmauern versucht man selbst nachzuhelfen. Fast jeder größere Ort hat seine aus Holz gebauten Stadttore. So sind die nächsten 150km bis an die “Staatsgrenze” bei Guaira sehr kurzweilig. Dem Übertritt in den Nachbarbundesstaat “Mato Grosso do Sul” (“großer Wald des Südens”) stellt sich der hier etwa 3km breite Paraná in den Weg.

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Ayrton Senna Brücke, man betrachte die Brückenmitte - Frei nach der Werbung: “Chef, wir haben da ein kleines Problem, dass müssten Sie sich mal anschauen!”

Zur Überbrückung dieses Hindernisses wurde vor einigen Jahren eine Brücke gebaut, die später “Ayrton-Senna-Brücke” getauft wurde. Aber warum man sich den alten Raiffeisen-Volksbanken Werbespot “Chef wir haben da ein kleines Problem, dass müssten Sie sich mal selbst anschauen” (der mit den beiden unterschiedlich hohen Brückenhälften) so sehr zu Herzen genommen hat, bleibt mir und vielen anderen ein Rätsel. Mitten auf den Paraná macht die Brücke einen Knick in der Höhe, die Geschwindigkeit ist auf 20km/h begrenzt (weil man sonst nach einer Evil Knievel-Flugeinlage Schwimmhäute brauchen würde).

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Ayrton Senna Brücke - Das “Problem” aus der Nähe betrachtet

Kaum auf “mattogrossischen“ Staatsgebiet angekommen, genehmigen wir uns unser Mittagessen.

Die Konturen der Landschaft sind zwar in MS ähnlich wie im mittleren Bereich von Paraná, aber man erkennt deutlich die Unterschiede in den Besitzverhältnissen. In Paraná sind die Strukturen wesentlich kleiner und die Felder deutlich professioneller angebaut. Auch gibt es hier keine “Tagelöhnersiedlungen” zwischen den Verbindungsstraßen und Feldrändern. Ich erspare mir Bilder davon, da ich Armut prinzipiell nicht fotografiere und zur Schau stelle.

Am späteren Nachmittag kommen wir in der Großstadt Dourados an, wo wir heute Zwischenrast machen werden.

Tag 10: Dourados - Jardim

Auch heute stehen wieder viele Kilometer auf dem “Speiseplan”. In die Nähe des nördlich von Dourados gelegenen Städtchens Jardim mit seinen Naturaquarien führt uns heute unsere Reiseroute. Gesäumt ist sie von vielen Rinderfazendas und den Beständen des von der Brandrodung der Erstsiedler übriggebliebenen Cerrado-Waldes.

Einkaufen werden wir uns auf dieser Strecke immer höhere Temperaturen, denn z.Z. ist hier ein Winterhitzehoch mit Temperaturen von 37-40°C (Durchschnitt wären 20-25°C). Wir können hier fast FKK machen und unsere Vorgruppe brauchte vor 6 Wochen noch Fleece und Windjacken.

Bereits am zeitigen Nachmittag erreichen wir unser Reiseziel, einen Campingplatz in der Nähe des Touristenörtchen Jardim, der unweit des Naturaquariums Rio da Prata gelegen ist. Zum Campingplatz gehört auch eine wunderschöne Lagune, die natürlich bei diesen Temperaturen zum Baden einlädt.

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Jardim, Rio da Prata - Nachtlager

Eine andere Einladung haben wir dabei nicht bedacht, denn eine ganze Armada von Stechmücken werden ihre Fähigkeiten an meiner Haut ausprobieren. Dem weiteren Verlauf der Insektenerfahrungen auf dieser Reise zu urteilen, war dies erst der Anfang der juckenden und beißenden Erfahrungen auf diesem Gebiet.

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Jardim, Rio da Prata - Sonnenuntergang am Campingplatz

Unter einem herrlichen Sonnenuntergang gegen 6 Uhr abends genießen wir unsere zweite Campingmahlzeit.

Tag 11: Schnorchelparadies Rio da Prata

Wie verteilt man am geschicktesten 50% einer Leberwurst schnell und gleichmäßig im Gesicht. Dieser unfreiwilligen Aufgabe darf ich mich beim heutigen Frühstück stellen, gut 100ml sind im ganzen Gesicht verteilt, nur, weil ich die Wurst unter Druck anschneiden wollte. Das Gelächter der anderen könnt Ihr Euch vorstellen, aber zu einer besseren Schönheit hat diese Form der Gesichtsmaske bei mir auch nicht geholfen.

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Jardim, Papagei am Campingplatz

Da eine Kamera hier nur hinderlich wäre, habe ich von diesem Erlebnis keine eigenen Bilder, herrliche Bilder gibt es aber auf der Homepage der Fazenda, die diese Touren veranstaltet.

So lassen wir uns die nächsten Stunden im etwa 24°C warmen Wasser treiben eine richtige Abkühlung zu den Außentemperaturen. Vor 6 Wochen bei weniger als 10°C Außentemperatur war dies noch genau umgekehrt.

Weil hier seit Jahren ein absolutes Angelverbot herrscht, teilen wir uns die Reise mit einer Unzahl vieler Fische im Fluss. Das Flussbett ist teilweise aus reinem feinen Sand, an manchen Stellen sieht man das Wasser aus dem Boden sprudeln.

Manchmal muss man unter Baustämme durchtauchen oder auch den Bauch einziehen, damit man nicht am Boden streift und manchmal einfach über Baumstämme hinweggleiten, wenn man nicht gerade an einem hängenbleibt, was einem Mitglied unserer Gruppe nicht erspart bleibt. Ein Bild wie ein gestrandeter Wal, ohne fremde Hilfe geht da nix mehr.

Aber auch dieses Erlebnis geht irgendwann einmal zu Ende. Dass ein Schnorchler eine halbe Stunde vor uns eine Anaconda im Wasser filmen und dies uns auch noch zeigen kann, ist auch für uns ein faszinierendes Erlebnis.

Nach dem Mittagessen und Faulenzen auf der Fazenda wollen wir uns am Nachmittag eine Ara-Kolonie unweit der Fazenda vornehmen. In einem 100m tiefen und 200m breiten Loch haben sich viele Individuen angesiedelt.

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Rio da Prata - Aras im Formationsflug

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Jardim, Rio da Prata - Aras im Formationsflug

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Jardim, Rio da Prata - seltener Hyanzinthara

Neben Aras bekommen wir auch den seltenen Hyanzinthenara vor die Fotolinse sowie einen blauen Papagei im Formationsflug mit den “Standard”-Aras.

Tag 12: Jardim-Bonito-Miranda

Nachdem ich heute Morgen beim Frühstück die Leberwurst weitestgehend auf den dafür vorgesehenen Ort habe verteilen können (Brot), werden wir unseren idyllisch gelegenen Zeltplatz verlassen, um weiter in Richtung Pantanal fahren.

Einen Zwischenstopp legen wir im Städtchen Bonito ein, bekannt für seine Naturaquarien rund um den Rio Baia Bonito. Der Ort mit seinen 20000 Einwohnern ist stark touristisch geprägt, die “Flaniermeilen” sind ewig lang.

Aber auf einem Gebiet tanzt der Ort gänzlich aus der Reihe, auf dem Gebiet der Gestaltung von Telefonzellen. Jegliches Vogelgetier darf hier als Umschmückung des öffentlichen Telefons herhalten.

Sei es ein Tukan, oder auch ein Papagei, auch vor einem brasilianischen Storch, dem Jaribu, wird zum Fotografieren ein Halt eingelegt. Einzig einen “Amerika Nimmersatt” finde ich nirgendwo. Der “Amerika Nimmersatt” ist ausnahmsweise mal keine Wortschöpfung von mir, diesen schwarz-weißen Vogel gibt es hier in der Gegend und vor allem im naheliegenden Pantanal wirklich!

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Bonito - Tukan als Telefonzelle

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Bonito - Papagei als Telefonzelle

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Bonito - Jaribu als Telefonzelle

Nachdem wir uns in einer Eisdiele mit frisch gemachtem Eis gestärkt haben, machen wir uns auf die Weiterreise nach Miranda, dem südlichen Eingangstor zum größten Überschwemmungsgebiet der Erde, dem Pantanal.

Die Straßen dorthin führen wieder durch ehemalige Cerrado-Wald Landschaften. Durch die diesige Luft bei fast 40°C könnte man meinen, in der Nähe wären Brandrodungen, diese sind aber rund um das Pantanal fast gänzlich unbekannt.

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Cerrado-Landschaften auf dem Weg nach Miranda

Am späten Nachmittag erreichen wir Miranda. Vor dem Abendessen heißt es nun das Gepäck umzupacken, da uns unser Fahrer Marc für die nächsten 6 Tage verlassen wird und wir im Pantanal unmöglich alles mitschleppen können. Dort werden wir mit dem Jeep eines örtlichen Reiseveranstalters unterwegs sein.

Da die Reise vom brasilianischen Corumba ins bolivianische Santa Cruz auf der unbefestigten Dschungelpiste absolut unplanbar ist (zwischen 2 Tagen und 2 Wochen ist da alles möglich), macht unser LKW einen Umweg von 2500km.

Er fährt die Strecke nach Foz do Iguacu zurück, umfährt Paraguay aus dem gleichen Grund im argentinischen Tiefland des Chaco, um später wieder in Santa Cruz einzutreffen.

 

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