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Tag 22: Canoa Quebrada – Sete Cidades Weit in das Hinterland des Sertao im Bundesstaat Paui wird uns der heutige Tag bringen, wenn wir abends im Nationalpark Sete Cidades angekommen sein werden. Aber vorher gilt es, dass wieder viele Kilometer Fahrtstrecke anstehen. An der Hauptstadt von Ceara, Fortaleza, vorbei führt uns die Fahrt in das Landesinnere des Bundesstaates Ceara. Aus dem maritimen Klima der vergangenen Tage wird heute ein „kontinentales“ heißes Wetter werden, mit Temperaturen, welche den 20-er Werten schon längst entschwunden sind.
Brasilianische Flussidylle im Bundesstaat Ceara
Fast ein kleiner Zuckerhut Da Ralph meist auf Nebenstraßen fährt, gibt es auch viele abwechslungsreiche Landschaften zu sehen. Im „Grenzgebiet“ zwischen den Bundesstaaten Ceara und Paui geht es in die Höhen der Serra da Ibiapaba und somit ins Niemandsland zwischen den beiden Bundesstaaten. Mit Niemandsland ist hier nicht irgendeine Floskel gemeint, nein, zwischen beiden Bundesstaaten gibt es wirklich ein Niemandsland, ein Land, dass zu keinem der beiden Bundesstaaten gehört und so auch in den Karten eingezeichnet ist. Nach langer Fahrt erreichen wir abends das Eingangstor zum Parque Nacional Sete Cidades, wo wir in der Nähe des Parkverwaltungsgebäudes heute erstmals unsere Zelte aufschlagen wollen. Das mit dem Zelte aufschlagen ist etwas übertrieben, denn in unserer Gruppe gibt es eine Menge Zeltverweigerer, die lieber die einfache Parkunterkunft der 100.000 Sterne-Dackel-Garage vorziehen.
Übernachtungsplatz in Sete Cidades So sind wir nur zu dritt, die sich der Herausforderung stellen, bei Nachttemperaturen über 25°C im Zelt einen schweißgebadeten Schlaf zu finden. Wider Erwarten, da man sich bei diesen Temperaturen auf dem Schlafsack (im meinem 4-Jahreszeitenschlafsack drinnen wäre Sauna pur) jede zusätzliche Bewegung zwecks Schweißreduzierung ernsthaft vorher überlegt. Aber der erste selbstproduzierte Caipirinha in unserer Reisegruppe hilft auch über diese Unwägbarkeiten hinweg, einer angenehmen Nachtruhe steht nichts mehr im Wege. Tag 23: Sete Cidades - Teresina Die noch kühlen Morgentemperaturen wollen wir nützen, um eine Wanderung durch den Parque Nacional Sete Cidades zu unternehmen. Dieser mehr als 60qkm große Park, dessen Name übersetzt „Sieben Städte“ bedeutet, ist durch Wind- und Wassererosion geformte Sandsteinformationen entstanden, die aufgrund der Ähnlichkeit mit Straßen, Plätzen und Denkmälern so ihren Namen erhalten haben. Es lässt sich in den Gesteinsinformationen vieles hineininterpretieren, manch einer meint, einen Elefant oder Hund mit Schlappohren gesehen zu haben, woanders einen Mönch mit Heiligenschein, oder ein Loch im Felsen kann als Landkarte Brasiliens herhalten.
Sete Cidades - Mönch mit Heiligenschein rechts?
Sete Cidades - Landkarte von Brasilien? Die genaue Entstehungsgeschichte der Formationen ist noch nicht geklärt, Ausgrabungen haben aber ergeben, dass in der Gegend schon vor mehr als 30.000 Jahren Menschen gelebt haben. Auch sind an manchen Steinen Felszeichnungen noch erkennbar, deren Alter auf etwa 17.500 Jahre geschätzt wird.
Sete Cidades - Hoffentlich hält das Dach So wandern wir von Stadt zu Stadt. Gegen Ende der 12km langen Rundstrecke geht es auf einem Aussichtsberg, wo sich ein herrlicher Rundblick über alle die Städte bietet. Zum Mittagessen sind wir wieder in unserem Zeltlager zurück und können uns nach einem Imbiss auf den Weg ins 180km entfernte Teresina machen, unserem heutigen Tagesziel. Teresina ist mit 800.000 Einwohner die Hauptstadt des Bundesstaates Paui und die einzige Hauptstadt des Nordostens, die nicht am Meer liegt. Sie gilt als Stadt in Brasilien mit den höchsten Temperaturen. Da sie aber am Zusammerfluss des Rio Parnaiba und des Rio Poti liegt, gibt es an den Flussufern sehr viel schattenspendende Grünflächen. Interessantes gibt es auf der Fahrt nach Teresina zu sehen, denn es gibt hier doch eine für europäische Verhältnisse ungewohnte Art der Haltbarmachung von Fleisch. Für die Produktion von Trockenfleisch, das zum Trocknen zwischen den Fliegen hängt, nimmt man als Sammelbehälter einen ausgedienten LKW Reifen, Prost Mahlzeit.
Trockenfleischproduktion Nach der Ankunft im Hotel, einem Bau aus den 1970-er Jahren im Oskar Niemeier-Stil (oder: „Beton meets Colani“ – war früher einmal wunderschön anzuschauen aber eine absolut unpraktische Architektur) geht es abends zum Essen in ein Restaurant in der Nähe des Flussufers. Tag 24: Teresina - Barreirinhas Zum vorletzten Male steht heute ein Tag mit sehr viel notwendigem Sitzfleisch auf der Tagesordnung, es sind sehr viele Kilometer bis nach Barreirinhas im Bundesstaat Maranhao.
Sonnenaufgang über Teresina Da Barreirinhas zwar fast am Atlantik, aber doch etwas abseits der Hauptverkehrsstraßen liegt, ist eine doch etwas längere Anreise notwendig, bis wir bei Einbruch der Dunkelheit den aufstrebenden Ferienort erreichen.
Mercedes-Fronthauber-LKW mit “megalangem” Kofferaufbau in den Weiten von Paui Auf der Fahrt dorthin gibt es auch viele Beispiele zu sehen, wie die Urbarmachung (nicht die Zerstörung von Regenwald) von Landschaften in Brasilien vor sich geht. Die Familien der Landbewohner erhalten von der Regierung ein Stück Land (meist verbuschter Sertao) mit der Auflage zur Urbarmachung in einer bestimmten Frist. Das meist an Straßen gelegene Grundstück erhält einen Strom- und Wasseranschluss, schon können die vier Evolutionsstufen beginnen:
Neuansiedlung: Stufe 1 aus Palmen
Neuansiedlung: Stufe 1 Küche
Neuansiedlung: links Stufe 3 Ziegelhaus, rechts Stufe 2 Lehmverputz In unserer Pousada angekommen, nutzen wir die Chance, einer Tanzvorführung mit einheimischen Tänzen der örtlichen Jugendtanzgruppe beizuwohnen. Die Musiklautstärke ist brasilianischen Verhältnissen angepasst.
Tanzgruppe in Barreirinhas
Tanzgruppe in Barreirinhas
Tanzgruppe in Barreirinhas Dass hier die Mütter der Tänzerinnen meist mehr aufgeregt sind, wie ihre Sprösslinge, ist irgendwie doch auf der ganzen Welt gleich.
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