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Tag 13: Lencois - Salvador (da Bahia)
Die Reise muss leider weitergehen und wir müssen somit unser Kleinod in der Chapada da Diamantina verlassen.
Gut 450km werden es sein, bis wir am späteren Nachmittag die am Atlantik gelegene Hauptstadt des Bundesstaates Bahia, Salvador (zur besseren Unterscheidung zu anderen „Salvadors“ wird meist der Zusatz „da Bahia“
verwendet) erreicht haben werden. Aber dazwischen steht die Fahrt durch den teilweise steppenartigen und weitestgehend menschenleeren Sertao Baiano.
Je weiter wir uns der Küste nähern, desto stärker wird der Verkehr, v.a. nach dem Erreichen der als
brasilianischen Küstenmagristrale geltenden BR-101 Straße. Die BR-101 hat in manchen Bundesstaaten autobahnähnliche Zustände, in manch anderem Bundesstaat stellt sie nur eine bundesstaatenweite Stoßdämpferteststrecke mit (noch)
etwas Asphalt um die Schlaglöcher herum dar.
Das Hauptverkehrsaufkommen auf diesen Hauptstraßen mit etwa 90-95% des Verkehrs stellen die unzähligen LKWs.
Grund dafür ist, dass es in Brasilien kaum längere Eisenbahnlinien gibt und falls doch, dann sind dies meist Eisenbahnstrecken zum Transport von Rohstoffen.

Brasilianische VW-Lastwagen auf einem Autobahnparkplatz
Ohne größere Zwischenfälle, einmal abgesehen von einem verunglückten LKW
mit ehemals geladenen Kalksäcken und einem Reisebus mit aufgerissenen Kofferraumblechen, erreichen wir wie geplant am späteren Nachmittag unsere Hotelanlage in den Außenbereichen von Salvador. Diese beiden Unfälle werden
die beiden einzigen auf der ganzen Reise sein, dir wir zu sehen bekommen, irgendwie kaum zu glauben, bei der Fahrweise in Brasilien.

Unsere Hotelanlage in Salvador da Bahia
Dass man in Brasilien so seine eigene Auffassung von Weinherstellung hat, die
eigentlich nie auch nur im entferntesten den europäischen Gaumenfreuden entsprechen, zeugen Weinkreationen wie z.B. ein „Chardonnay-Riesling-Sauvignon Blanc“-Cuvee (deutsche Bedeutung, in der französischen
„Weinsprache“ wäre dies eine Assemblage - aus Mitleid mit den dazu verwendeten Weintrauben erspare ich mir das bei uns gebräuchliche Wort „Verschnitt“) auf der Speisekarte unseres Hotels (siehe „Beweisfoto“).
Solch einen Cuvee gibt es nur Brasilien (Chardonnay-Riesling-Sauvignon Blanc)
Mir ist keiner aus unserer Gruppe bekannt, der diese “Blamage” ausprobieren wollte.
Tag 14: Salvador da Bahia
Den ganzen Tag wollen wir uns heute in der Altstadt von Salvador da Bahia
aufhalten und werden uns dabei zeitweise nach Afrika versetzt fühlen, da Salvador als die Stadt mit dem höchsten Anteil an Menschen mit negridem Ursprung gilt. Aber bis wir im historischen Zentrum der Stadt ankommen werden,
müssen wir zuvor gut 1½ Stunden Busfahrt mit dem Stadtbus hinter uns bringen, da unser Hotel doch sehr weit im Außenbereich liegt. Auch für Salvador gilt, was die Sicherheit betrifft, Ähnliches wie für Rio de Janeiro.
Die 2,5 Millionen Einwohnerstadt Salvador mit ihren angeblich bis zu 365 Kirchen
(für jeden Tag eine andere) liegt an der Baia de Todos os Santos, der Allerheiligenbucht. Unser Ziel, das historische Viertel Pelourinho, war bis in die
80-er Jahre des letzten Jahrhunderts ein Viertel mit vielen Herrenhäusern und Kolonialbauten im wahrlich desolaten Zustand, fast schon eine Favela, wobei
Favela eigentlich eine brasilianische Rankepflanze ähnlich unserem Efeu darstellt. Im Jahre 1985 erhielt das Viertel Pelourinho bzw. die Altstadt den Rang eines
UNESCO-Weltkulturerbes, sodass man seither zumindest versucht, viel Geld in den Erhalt und die Restauration der Bausubstanz zu stecken.
Ohne Probleme erreichen wir unseren Bushalt am alten Hafen unweit des
Mercado Modelo, wo wir unseren Stadtrundgang beginnen wollen. Der Mercado Modelo liegt in der „Unterstadt“ auf Meereshöhe, verbunden mit der Oberstadt
über den “Elevador Lacerda” Personenaufzug. Der Mercado Modelo, das frühere protzige Zollhaus des alten Hafens, ist heute ein touristisches Einkaufszentrum.
Elevador Lacerda
Schon im Jahre 1872 haben die Stadtväter Salvadors den Elevador Lacerda
bauen lassen, weil die steilen kopfsteingepflasterten „Aufstiegsrampen“ zur fast 80m höher gelegenen Oberstadt immer sehr mühsam zu bewältigen waren. Im Jahre 1930 wurde die bis dato verwendete Dampfmaschine durch
Elektroantriebe ersetzt. Der 72m hohe Aufzugsturm gehört inzwischen zu den bekanntesten Wahrzeichen von Salvador.
Oben auf dem einstigen Marktplatz von Salvador angekommen, dem Praca
Tome de Souza, bietet sich ein herrlicher Blick auf und über die Unterstadt sowie die Allerheiligenbucht, aber leider auch auf den desolaten Zustand vieler Häuser
hinter den herausgeputzten Fassaden. Das markanteste Gebäude auf dem Praca Tome de Souza ist der Palacio Rio Branco aus dem Jahre 1549, der bis vor etwa 30 Jahren noch Sitz des Gouverneurs von Bahia war.

Mercado Modelo und Hafen von Salvador

Altbauten in Salvador

Altbauten in Salvador

Palacio Rio Branco
Der Stadtrundgang führt uns weiter zum palmenbewachsenen Terreiro de Jesus
Platz, auf dem ein reges Treiben herrscht. Nicht wenige davon sind die in langen weißen Spitzenkleider gehüllten Baianas, die in ihren kleinen Garküchen in Palmöl einen mit Bohnen, Krabben und Zwiebeln reich gewürzten
ausgebackenen Teig anbieten, den Aracajes, der baianischen Variante des Big Macs.
In der etwas bunteren Kleidervariante, die beide auf teilweise moslemischen
Kleidertraditionen in Afrika zurückgehen, bieten sich andere Baianas für die bekannten Touristenfotos an.
Am Terreiro de Jesus ist im Gebäude der ehemaligen medizinischen Fakultät
das Museo Afro-Brasileiro untergebracht.

Terreiro de Jesus mit Dominikanerkirche
Das Museum bietet sowohl Einblicke in die afrobrasilianische Kunst(-geschichte)
als auch in die Archäologie und Ethnologie von Bahia. Anschaulich sind auch die Menschenströme der Sklavenherkünfte aus dem Mittelalter aufgezeigt v.a. aus Angola und Moçambique).

Schautafel über Herkunft und Ströme der Sklaven im Afro-Brasilianischen-Museu
Ein Teil des Museums ist der Sammlung von Holzschnitzereien von Gottheiten
des Candomble gewidmet. Candomble ist eine Mischung aus ursprünglich afrikanischen Kulten mit christlichen und hier v.a. katholischen Glaubensansichten. Bei beiden gibt es Heilige und Nothelfer und die Aufstellung der
Wandschnitzereien im Museum verglichen mit der Aufstellung der verschiedenen Nothelfer im Nebenbau der Kirche des Dritten Franziskanerordens (Igreja da Ordem Terceira de Sao Francisco) unweit des Museums zeugen nicht unbedingt
von gänzlicher lebensanschaulicher Getrenntheit.
Das größte Bauwerk am Platz ist die Kathedralbasilika (Catedral Basilica), eine
ehemalige Jesuitenkirche und Sitz des Kardinals von Salvador. Sie ist im Unterschied zu vielen anderen Kirchen in Salvador im Innern „relativ“ schlicht
gehalten. Ganz anders verhält es sich mit der Sakristei in der Basilica, hier wimmelt es nur so von Heiligenstatuen, Kachelbildern und mit Gold überzogenen Kunstwerken.

Altar der Catedral Basilica

Sakristei der Catedral Basilica

Deckengewölbe in der Catedral Basilica
Unweit des Platzes schließt sich die im Innenraum mit Unmengen Gold
überzogene und von vielen als die prachtvollste Kirche von Salvador bezeichnete Igreja de Sao Francisco Kirche an. Zum angeschlossenen Konvent gehören auch riesige Kreuzgangwände mit unzähligen Kachelmotiven.
Verkachelter Kreuzgang und Rückseite der Basilika in original brasilianischer Patina
Erschreckend ist aber, wenn man sich die hintere Fassade der Franziskuskirche
betrachtet. Anhand der Bausubstanz könnte man fast der Meinung sein, hier wurde seit dem Bau der Kirche im 16. und 17.Jahrhundert keine Fassadenrenovierungen mehr durchgeführt.
Nach einer Mittagsrast in einem Kaffee im Viertel führt uns der Weg weiter zum
Largo do Pelourinho (übersetzt “Sklavenmarkt”), dem wohl bekanntesten Platz in Salvador. Vom abschüssigen kopfsteingeplasterten Platz bietet sich ein herrlicher Blick auf die Altstadt von Salvador.

Largo do Pelourinho (Sklavenmarkt), rechts die Igreja N.S. do Rosario dos Pretos
Am Platz ist auch die Igreja N.S. do Rosario dos Pretos gelegen, die schwarze
Kirche bzw. die Kirche der Schwarzen. Diese Rokoko-Kirche wurde im 18. Jahrhundert von den Sklaven und freigelassenen Afrikaner in ihrer „Freizeit“
erbaut, da sie damals die Kirchen der Weißen nicht betreten durften. Auf der anderen Seite des sich dem Platz anschließenden Hügels ist die Kirche des Karmeliterordens zu sehen, die Igreja da Ordem Terceira do Carmen.

In einer der vielen Kirchen von Salvador

Brasilianischer Dachdecker
Den Rest des Tages verweilen wir in der Altstadt von Salvador und fahren nach
dem Abendessen wieder zurück zu unserem Hotel.
Tag 15: Salvador da Bahia – Praia do Forte
Den heutigen Tag lassen wir mit Ruhe angehen, denn zu unserem
Standortwechsel zum Badeort Praia do Forte sind es kaum 100 Kilometer auf der Linha Verde, der „grünen Linie“ nach Norden. So ist es noch nicht einmal
Mittag als wir im Ort ankommen und unser in herrlicher tropischer Umgebung liegendes Hotel einziehen können. Praia do Forte ist inzwischen ein Ferienort,
der auch über die Kataloge von Kleckermann und Co. gebucht werden kann (die „Condor“ fliegt z.B. nach Salvador), dementsprechend ändert sich auch das
„Touristenpublikum“. Der Großteil der Touristen stammt aber, wie meist in Brasilien außerhalb der „Hauptsehenswürdigkeiten“, aus Brasilien selbst, wobei
Praia do Forte hier in der Zusammensetzung ein Mittelmaß bildet.

Strand von Praia do Forte
In Praia do Forte ist die Hauptstation von TAMAR, einem Projekt zum Schutz und
zur Erforschung der Meeresschildkröten. Mehr als 20 dieser Stationen sind auf der ganzen Atlantikküste Brasiliens verteilt. Am Strand legen viele Arten von
Meeresschildkröten die Eier für ihren Nachwuchs ab. In Zusammenarbeit mit den örtlichen Fischern kümmert man sich um die Aufzucht und das Aussetzen dieser gefährdeten Tierarten wie Karett-, Leder- Bastard und grünen
Meeresschildkröten, welche im ausgewachsen Zustand z.T. schwerer als 500kg werden können.

Schildkröte aus Stein

Schildkröte im “Swimming-Pool”
Dem öffentlich zugänglichen Bereich dieser Station statten wir einen Besuch ab.
Zum Bummeln nutzen wir den Rest des Tages, denn morgen wird es ein harter Tag werden.

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