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Blick vom Franziskanerkonvent über Olinda und die Skyline von Recife

Tag 16: Praia do Forte - Recife

Der „harte“ Tag beginnt. Fast 800km Fahrtstrecke liegen vor uns und dem Tagesziel in der Millionenstadt Recife im Bundesstaat Pernambuco, der berüchtigt für den besch...eidenen Zustand seiner Straßen ist. So ertönt der Weckruf des Telefons bereits um kurz nach 3 Uhr nachts. Eine halbe Stunde später sind wir schon auf „großer Fahrt“.

14h Stunden Dauerstress für die Sitzmuskeln werden überstanden sein, wenn wir heute Abend in Recife ankommen werden. Vor diesem Ziel hat für die letzten 150 Kilometer der Bundessaat Pernambuco aber noch seine Rüttel- und Stoßdämpferteststrecke ersten Ranges auf der BR-101 gestellt. Wenn es nicht andere Bundesstaaten wesentlich besser schaffen, würde man meinen, die Unmengen an täglichen LKWs ruinieren die Strecke.

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Rio Sao Francisco

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Alter Scania-Lastwagen auf der Brücke über den Rio Sao Francisco

Interessant sind die Neubaumaßnahmen zum vierspurigen Ausbau der BR-101. Die Straßen sind außerhalb der auf der Strecke liegenden Orte zu 90% im Bauzustand beendet (theoretisch könnte man schon darauf fahren), ganze Berge wurden weggesprengt. Es hat zunächst den Anschein, dass nur noch so manche Bankettbefestigung und Zufahrtsmöglichkeit fehlt, aber: Wo sind die Brücken? Zwischen jedem Fluss ist eine Lücke in der Straße, hat da jemand vergessen, die Brücken zu bestellen?

Bei den Zwischenstopps erleben wir auch die typische brasilianische Mentalität: Es grenzt fast an Beleidigung, wenn man sie nicht fotografiert und ein Lächeln für ein Foto ist selbstverständlich.

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Fotogene brasilianische Bevölkerung und Borussia Dortmund-Fan bei einem Zwischenhalt im Bundesstaat Alagoas

Die Weite Brasiliens kann einem beim „Durchfahren“ der riesigen Zuckerrohrplantagen bewusst werden. Habe ich schon in Westaustralien die z.T. zig Quadratkilometer großen Felder als riesig empfunden, so stellen die Plantagen im Nordosten alles in den Schatten. Man fährt 20km kerzengerade durch ein einziges „Zuckerrohrfeld“ und das Feld reicht auch seitlich bis zum Horizont. Diese Zuckerrohrfelder befinden sich brasilienweit zu 95% im Besitz von nur 20 Familien!

Nach Einbruch der Dunkelheit erreichen wir unser Ziel in Recife, einem Hotel im Stadtteil Boa Viagem direkt am Atlantischen Ozean. Essen bis zum „Abwürfeln“ gibt es heute wieder in einer benachbarten Churrascaria, die brasilianische Variante von Restaurant.

Man holt sich vom Buffet die Beilagen und die Kellner kommen alle zwei Minuten mit einem neuen Spieß mit Fleisch (alle Sorten), Käse oder anderem. Solange man den Würfel auf dem Tisch auf Grün lässt, gibt es Essen bis zum Abwinken.

Tag 17: Recife / Olinda

Die fast 400.000 Einwohnerstadt Olinda ist so etwas wie der Schatten oder die kleine Schwester der großen Schwester Recife (ca. 1,5 Millionen Einwohner). Inzwischen fast mit Recife verwachsen, hatte die 1535 gegründete und spätere Barockstadt Olinda schon seine Blütezeit, als Recife noch ein kleines Fischerdorf war.

Schon der Name Olinda (übersetzt: „Oh wie schön“) und der Namenszusatz „Barockstadt“ sagt eigentlich schon alles, warum wir heute der Stadt die Ehre erweisen wollen.

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Urwaldlandschaft inmitten von Olinda

Mit dem Stadtbus machen wir uns auf die Fahrt nach Olinda zum Praca do Carmo, wo unsere Stadtführung mit einem einheimischen Führer beginnt. Unser erster Weg führt uns zum Convento de Sao Francisco, dieser 1585 fertig gestellte Kirchen- und Klosterkomplex ist das bedeutendste Erbe aus der Kolonialzeit.

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Blick die Lagoa da Misericordia entlang Richtung Skyline von Recife

Von der Terrasse des Konvents bietet sich ein herrlicher Panoramablick auf Olinda und vor allem auf die Skyline von Recife, einzig der Nieselregen trübt die Aussicht.

Unweit vom Franziskanerkonvent ist die Igreja Nosa Senhora da Graca. Die Kirche war der Sitz des früheren Erzbischofs von Olinda und Recife, Dom Helder Camara, der v.a. durch seinen Aufstand gegen das brasilianische Militärregime in 60-er Jahren des letzten Jahrhunderts, seine kirchliche Basisarbeit und als vom Vatikan gefürchteter Befreiungstheologe bekannt war.

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Wir lassen die (Karnevals-)Puppen tanzen

Weiter machen wir uns auf den kopfsteingepflasterten Weg durch das Künstlerviertel Olindas durch die Largo da Misericordia und seinen Nebengassen und erfahren durch unseren Touristenführer einiges über den besonderen Karneval von Recife, bekannt vor allem durch seine riesigen von Menschen bewegten Karnevalsfiguren. Wie mit diesen oft 5m großen Puppen bei bis zu 40°C Temperatur zur Karnevalszeit durch die engen Gassen der Kreislauf des Puppenträgers nicht zum Flachmann wird, erstaunt immer wieder. Auch bekannt sind die Tanzeinlagen zum Karneval mit einem verkleinerten symbolischen Regenschirm in der Hand, von der uns unserer Führer eine Kostprobe zeigt.

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Touristenführer mit “Regenschirm” beim Karnevalstanz

Eigentlich wollten wir auch dem Mosteiro de Sao Bento, dem Benediktinerkloster Olindas und der ersten juristischen Fakultät Brasiliens einen Besuch abstatten, aber das Kloster ist heute nicht für Besucher geöffnet. Nach einem Essen in einer örtlichen Kneipe machen wir uns wieder auf den Weg zurück zur Bushaltestelle, vorbei an der auf einem Hügel gelegenen Igreja Nosa Senhora do Carmo (Karmeliterkirche).

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Igreja Nosa Senora do Carmo

An der Bushaltestelle wartend gibt es wieder viele fahrende Ghettoblaster brasilianischer Bauart zu sehen, d.h. auf einem LKW oder riesigem Pick-up wird der gesamte Laderaum für die Boxen der Beschallungsanlage genützt. Die Lautstärke der Boxen kann wahrscheinlich sogar Berge versetzen. Die brasilianische Auffassung von Musiklautstärke unterscheidet sich deutlich von mitteleuropäischen. Wenn man bei uns die Musik auf „Watt-”-Lautstärke aufdreht, so macht man dies hier in „Kilowatt“-Lautstärke. Ein Foto eines solchen Ghettoblasters aus Olinda kann ich leider nicht bieten (das Foto unten ist in Barreirinhas im Bundesstaat Maranhao aufgenommen), da ich zwischen unbekannten Menschenmassen normalerweise meine Spiegelreflexkamera in überlaufenen Touristengegenden nicht aus dem Rucksack nehme.

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Brasilianischer Ghettoblaster (rechts) der Größe Kompaktwagen bis untere Mittelklasse (Foto wurde in Barreirinhas aufgenommen)

Am Nachmittag sind wir wieder zurück in Recife und nutzen den angefangenen Nachmittag zum Faulenzen, bevor wir uns auf den Weg zu einer nächtlichen Bootstour durch die Welt der Wasserkanäle von Recife machen.

Durch seine vor allem in der Altstadt befindlichen vielen Brücken hat Recife auch den Namen „Venedig Brasiliens“. Bei fast sternenklarem Himmel bietet sich ein grandioser Ausblick auf die Alt-, Neu- und Hochbauten von Recife, aber auch auf die vielen nicht fertiggestellten (Hoch-)Häuser und die vielen unbewohnt wirkenden Hochhausanlagen. Aufgrund der riesigen Ausdehnung der Skyline Recifes ist kaum zu glauben, dass die Stadt von der Einwohnerzahl kleiner ist als München. Es ist eben das übliche Dilemma in den Großstädten Brasiliens, anstatt zu renovieren, wird an einem anderen Platz neu gebaut, der “Erstbau” wird dem Verfall preisgegeben. Da ich mir bei Nacht vom schaukelnden Katamaran aus kaum verwacklungsfreie Bilder erwarte, bleibt der Fotoapparat im Hotel. Zum Abendessen geht es wieder in eine Abwürflerei (Churrascaria).

 

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