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Tag 5: Rio de Janeiro – Ouro Preto Heute werden wir Rio de Janeiro verlassen, einerseits mit einem weinenden Auge (dem Flair dieser Stadt vermissend), andererseits mit einem lachenden Auge (problemlos die Tage überstanden zu haben). Die fast 7000 Kilometer lange Reise nach Norden kann beginnen. Die erste Etappe erfolgt noch mit einem gecharterten Reisebus bis in die 100km nördlich gelegene Stadt Petropolis, der Sommerresidenz der ehemaligen Kaiser Brasiliens. Grund für diese Maßnahme ist, dass es viel zu gefährlich wäre, mit einem deutlich als Touristenfahrzeug gekennzeichneten ausländischen Fahrzeug unbeschadet durch manch eine Favela zu fahren, wenn schon auf der Stadtautobahn ganze Busse gekidnappt und ausgeraubt werden. Reiseleiter Ralph war uns schon tags zuvor vorausgereist, um bei unserer Ankunft in Petropolis den “Kondor-Bus” startklar zu haben. So fahren wir mit dem gecharterten Bus-(Fahrer) und Reiseleiterin Heidi durch die Serpentinen der Rio umgebenden Berglandschaft der Serra da Mantiquera. Wäre nicht der Nebel an den Berghängen, die Aussicht wäre grandios.
Serpentinen durch die Serra da Mantiquera bei Petropolis Zeitig kommen wir in Petropolis am Busterminal an. Jetzt heißt es umladen auf den Pullmann, einen umgebauten und in Deutschland zugelassenen 1424-er Mercedes-LKW von Kondor-Tours. Er wird die nächsten vier Wochen für uns 12 Reiseteilnehmer das bewegliche Heim sein. Über hügeliges Bergland geht die Strecke in den Bundesstaat Minas Gerais (übersetzt: „Allgemeines Minenland“). Ziel soll heute die Barockstadt Ouro Preto ca. 100km südöstlich der Bundeshauptstadt Belo Horizonte sein. Auf der Strecke nach Norden befindet sich auch eine Skulptur eines Fliegers von Alberto Santos Dumont. Der Namensgeber des Stadtflughafens von Rio de Janeiro war der erste Flugzeugpilot, der im Jahre 1906 mit seinem Flugzeug „14-bis“ einen öffentlichen Motorflug vornahm.
Flugmodell eines Fliegers des brasilianischen Flugpioniers Alberto Santos Dumont Alberto Santos Dumont gewann auch das ausgeschriebene Preisgeld für den ersten Flug mit einem eigenstartfähigen Flugzeug , denn z.B. die Gebrüder Wright konnten 1903 nicht von selbst starten und machten dies nicht in der Öffentlichkeit. Er war auch der Erste, der mit einem Flugzeug weiter als 100m weit fliegen konnte. Gegen Abend erreichen wir die auf über 1000m ü.N.N. gelegene Stadt des „schwarzen Goldes“, so die Übersetzung von Ouro Preto, wirklich ein barockes Kleinod. Außerhalb der Planung erfolgt die Übernachtung im Hotel und nicht auf dem Zeltplatz. Schuld ist seine Lage direkt neben der Disco und die brasilianische Musiklautstärke ist ein klein wenig lauter als bei uns in Mitteleuropa gewohnt. Später auf Reise werden wir brasilianische „Ghettoblaster“ zu Gesicht bekommen, wo bei LKWs die ganzen Ladeflächen als Boxenstand herhalten müssen. Da gehen dann alleine schon 30 - 50kW nur für Boxen drauf. Mit diesen Dingern hört man am zeitigen Morgen schon, mit welcher Musik sich der nachmittägliche Besuch ankündigt.
Museu da Inconfidenca und Igreja N.S. do Carmo (Karmeliterkirche) bei Nacht
Igreja Sao Francisco de Paula bei Nacht
Museu da Inconfidenca bei Nacht Tag 6: Ouro Preto Eigentlich hatte ich gedacht, es bemerkt keiner, aber dem ist nicht so. Kaum im Frühstücksraum des Hotels angekommen, gibt es schon das Geburtstagsständchen für mich. Dies hat natürlich zur Folge, dass der Rest der Reisegruppe am Abend etwas spendiert haben will. Mit einer Runde Caipirinha „bezahle“ ich die Gesangesleistungen und erhaltenen Glückwünsche zur gleichzeitigen Mutation vom biVi zum uHu (übersetzt: vom „bis Vierzigjährigen“ zum „unter Hundertjährigen“). Wenn manch einer in Deutschland wüsste, was der Name „Caipirinha“ eigentlich bedeutet, man würde das Modegetränk zur Seite stellen. „inha“ ist eine Verkleinerungs- bzw. Verniedlichungsform ähnlich dem deutschen „chen“ und der „Caipi“ ist übersetzt der „Hinterwäldler“ bzw. der aus dem Nordosten. Also ist ein Caipirinha nichts anderes als ein „kleiner Hinterwäldler“. Nach überstandenen Geburtstagsfeierlichkeiten können wir gestärkt an unser Tageswerk gehen, sprich, wir wollen die ca. 60.000 Einwohner große und am Hang gebaute Stadt mit ihren mehr als 60 Barockkirchen erkunden. Die meisten dieser Kirchen entstanden in der Folge des Gold- und Diamantenbooms beginnend im 18. Jahrhundert. Auf der Suche nach „El Dorado“, dem sagenhaften Goldland, hatten Bandeirantes (übersetzt: Umherziehende) im bergigen Hinterland der Atlantikküste Gold und später Diamanten gefunden. Als Folge gab es viele Stadtgründungen, eine davon war Vila Rica de Albuquerque, später Vila Rica de Ouro Preto, die „reiche Stadt des schwarzen Goldes“, genannt.
Museu da Inconfidenca, oben bei Tag, unten bei Nacht
Igreja de Sao Francisco de Assis
Häuserwelt in Ouro Preto, rechts oben die Igreja Sao Francisco de Paula
Nicht gerade eben die Straßen in Ouro Preto Der immense Reichtum wurde in die vielen Kirchen und den vielen Herrenhäusern angelegt. Sehr vieles ging nach Portugal. War Potosi in Bolivien die „Schatzkammer“ der spanischen Krone, so waren die Minen im Bundesstaat Minas Gerais die Schatzkammer der portugiesischen Krone. Bis zum Abflauen des Goldrausches zum Ende des 18.Jahrhunderts wurden in der damals mit über 100.000 Einwohnern größten und reichsten Stadt der Neuen Welt mehr als 1100 Tonnen Gold gefördert, was etwa 80% der damaligen Weltproduktion entspricht. Man leistete sich die besten Baumeister und so entstand hier ein barockes Gesamtkunstwerk, welches 1980 durch die UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Man fühlt sich fast wie in Mitteleuropa, ist aber im brasilianischen Hinterland. Durch die UNESCO-Gelder wir auch einiges für den Erhalt der Bausubstanz getan, gerade im Vergleich zu vielen anderen Städten in Brasilien. Dort hat man oft den Verdacht, das die Gebäude unmittelbar nach dem Bau dem kontinuierlichen Verfall preisgegeben werden. Bitte verzeiht, wenn ich aufgrund der Vielzahl von Kirchen nicht allen den richtigen Namen zuordnen kann. In manch einer Kirche ist innen alles Künstlerische aus Gold, in der Igreja N.S.do Pilar wurden z.B. im Innern mehr als 400kg Gold verarbeitet!
Igreja N.S. do Pilar
Auch gibt es Meisterwerke des Barockbildhauers O Aleijadinho (übersetzt: „das Krüppelchen“), der trotz Lepraverstümmelungen im 18.Jahrhundert allerschönste Statuen erschuf. Zahlreiche davon sind in der Igreja de São Francisco em Ouro Preto zu sehen.
Ouro Preto
Igreja N.S. do Carmo (Karmeliterkirche)
Blick über Ouro Preto Bei bestem „Flanierwetter“ lässt sich der heutige Tag angenehm ertragen, bevor abends der 2.Teil meiner Geburtstagsfeierlichkeiten ansteht. Tag 7: Ouro Preto – Governador Valadares Wenig außerhalb von Ouro Preto liegt die Mina de Ouro da Passagem - Goldmine. Die stillgelegte Mine ist die älteste Mine Brasiliens. Mit einem an einer druckluftbetriebenen (!) Seilwinde hängenden Goldgräberwagen geht es über Gleise in die Tiefen der Goldmine, die noch bis 1985 betrieben wurde. Gut 200m Höhenmeter sind zurückgelegt, bis wir am ersten Querstollen ankommen. Von den unzähligen Quergängen sind noch gut 300m zugänglich. In der Mine selbst befindet sich ein 2km langer See.
Druckluftantrieb der Mina Ouro da Passagem
Einfahrt in die Mina Ouro da Passagem
In der Mina Ouro da Passagem
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