|
Ausblick vom Morro do Pai Inacio über die Tafelberge Tag 11: Chapada da Diamantina Eigentlich würde heute auf den Tagesplan zunächst der Besuch einer der zahlreichen Grotten mit eingelagerten Lagune in der Chapada da Diamantina stehen. Da es aber bei der vorgesehenen Grotte z.Z. Probleme mit der Betreiberlizenz des Eigentümers gibt, muss dieser Programmpunkt leider entfallen. Alternativ wollen wir dem Naturschutzprojekt “Sempre Viva” im gleichnamigen Parque Municipal einen Besuch abstatten. In diesem Projekt wird versucht, die „Sempre Viva“ – Pflanze zu kultivieren und somit ihre genetischen Fähigkeiten zu nutzen.
Ein Strauß voller Sempre Viva Diese eigentlich wie eine Trockenblume aussehende nur hier vorkommende Pflanze hat eine außergewöhnliche Eigenschaft: Sie hat fast ein ewiges Leben, sie verwelkt eigentlich nie. Die Sempre Viva kann abgeschnitten jahrelang ohne Wasser leben. Stellt man sie 20 Jahre später wieder in einem Blumentopf, dann werden sich die weißen Blüten wieder öffnen. Weiter führt uns die Strecke entlang an der Ostseite des Parks in den nördlichen Bereich der Chapada da Diamantina. Einen Zwischenstopp legen wir an der Brücke über den Rio Paraguassu bei Andarai mit den Cachoeira da Donana Wasserfällen ein. Ob das Schild an einem Verkaufsladen neben der Brücke dem deutschen Gleichstellungsgesetz gerecht werden würde, oder ist das rechte Klo nur für Frauen in Umständen?
Hinweisschild
Cachoeira da Donana bei Andarai 50km weiter an der BR-242 angekommen liegt rechts der Eingang zu einer Wanderung zu den Wasserfällen Poco do Diabo am Rio Mucugezinho. Diese Wanderung lassen wir uns natürlich nach einer Mittagsrast nicht entgehen.
Poco do Diabo Anschließend steht der eigentliche Höhepunkt des heutigen Tages bevor, der Aufstieg auf den Morro do Pai Inacio, der wohl bekannteste Aussichtspunkt in der Chapada da Diamantina. Auf ausgespülter Piste geht es mit dem LKW bis zum Fuß des Aussichtspunktes.
Morro do Pai Inacio Von hier beginnt der fast einstündige Aufstieg auf den Tafelberg, der oben angekommen eine wahrlich grandiose Aussicht bietet. Interessant zu diesem Spaziergang sind die Informationen in verschiedenen Reiseführern, denn manchmal mal sei dieser Aufstieg ein “mittelschweres Trekking” und im nächsten Reiseführer dann sei die Sache in 15 Minuten zu bewältigen. Wie immer im Leben, die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte.
Wenn jetzt noch die Sonne scheinen würde.
Welt der Tafelberge und Canyons vom Morro do Pai Inacio aus
Welt der Tafelberge und Canyons vom Morro do Pai Inacio aus
Welt der Tafelberge und Canyons vom Morro do Pai Inacio aus Wenn nur etwas Sonne da wäre, die Stimmung wäre unbeschreiblich. Aber trotzdem, oben gibt es neben sehr viel Wind einen spektakulären 360° Panoramablick über die Welt der Tafelberge der Chapada da Diamantina. 300m über den Abgrund am Felsvorsprung sitzend (siehe Bild) entschädigt dann aber für vieles.
Morro do Pai Inacio - 300m über dem Abgrund Der 9.000 Einwohnerort Lencois wird heute unser Ziel sein, mitten im „Urwald“ der Chapada gelegen. Der Ort war früher das nördliche Zentrum des Diamantenhandels in der Chapada. Der Name des Ortes Lencois, was übersetzt „Bettlaken“ bedeutet, leitet sich aus dem Anblick der ersten Notunterkünfte in der Diamantenzeit ab. Da es sehr nach Regen ausschaut, genieße genieße ich den Rest des Tages in der Hotelanlage. Tag 12: Chapada da Diamantina Mit einem einheimischen Führer wollen wir heute das Umland um Lencois erkunden. Startend im Ort machen wir uns bei einsetzendem Regen auf den Weg zum Rio Lencois. Es lässt sich anschaulich erkennen, wie der Fluss aus den mitgeführten überdimensionierten Waschbetonfelsen in wenigen Jahren Sand und Kieselsteine herstellt. Weiter wandern wir am farbenfrohen Fluss entlang zu einem Wasserfall, wo wir eine Mittagsrast einlegen.
Lencois
Überdimensionierte “Waschbetonfelsen” am Rio Lencois
Wasserfall bei Lencois Am zeitigen Nachmittag sind wir wieder im Ort Lencois zurück. Die Zeit bis zum Abendessen nutze ich für die Restauration von Mann und Material (Faulenzen und Wäsche waschen). Der Leiter der örtlichen Capoeira-Schule bietet uns an, ob wir heute nach dem Abendessen eine Tanzvorführung seiner Capoeira-Schule beiwohnen wollen, denn gerade die Nachwuchstänzer(innen) würden gerne auch in der Öffentlichkeit Ihre Fähigkeiten zeigen. Solch eine Chance lassen wir uns natürlich nicht entgehen. Capoeira war ursprünglich eine Kampftechnik, die von den afrikanischen Sklaven nach Brasilien mitgebracht wurde (deshalb wahrscheinlich auch heute noch die unterschiedlichen Gürtelfarben ähnlich den asiatischen Kampftechniken). Um zur Sklavenzeit mit diesen Kampftechniken nicht aufzufallen, wurde zu den teils akrobatischen Bewegungstechniken gepaart mit schier unglaublicher Geschwindigkeit von Händen und Füßen die Musik einbezogen. Capoeira wahr auch noch nach Abschaffung der Sklaverei im Jahre 1888 verboten. Seit 1974 ist Capoeira eine brasilianische Nationalsportart, wobei man zwischen der brasilienweiten Capoeira Regional und der gediegeneren auf bodennahen Bewegungen bedachten und fast nur auf den Bundesstaat Bahia beschränkten Capoeira de Angola unterscheidet. (Anmerkung: Bahia ist in Brasilien der Bundesstaat mit dem höchsten Anteil an Menschen mit afrikanischen Wurzeln und viele davon aus Angola und Moçambique, den ehemaligen portugiesischen Kolonien). Getanzt wird hierbei zum Takt der Berimbau, einem Bogen mit Metallsaite über eine Kalebasse gespannt. Capoeiristas (die Tänzer) unterliegen einem Ehrenkodex, der bestimmte Regeln, Kleidung und Verhaltensweisen vorschreibt.
Capoeira - Tanzvorführung Da man außerhalb der größeren Städte und v.a. auf dem “flachen” Land kaum Vereine und/oder Jugendgruppen kennt, sind diese Capoeira-Schulen oft für die heranwachsenden Jugendlichen die einzige Möglichkeit (unabhängig von dem Bewegungstraining), gemeinschaftliche und auf gegenseitige Achtung bedachte Verhaltensweisen zu erlernen, also eine gute Art der nachhaltigen Jugendarbeit.
Capoeira - Tanzvorführung
Capoeira - Tanzvorführung Mit schier unbegrenzter akrobatischen Geschicklichkeiten zeigen uns die mehr als 40 Tänzer(innen) im Alter zwischen geschätzt 6 und 30 Jahren mit Freude und Enthusiasmus ihre in vielen Jahren erlernten Capoeira-Fähigkeiten.
Capoeira - Tanzvorführung Auch wenn manche Fuß- und Handhiebe nur künstlerisch angedeutet werden: Einmal eine Bewegung um 5cm näher an den Gegenüber und im Brust- und/oder Kopfbereich kann man ein paar Knochen(stücke) mehr sein eigen nennen.
|