Tag 7: Ouro Preto – Governador Valadares (Fortsetzung)

Die nächsten Tage werden nun reine Fahrtage werden, denn bis zu unserem nächsten „großen“ Ziel, der Chapada da Diamantina, sind es weit mehr als 1200 Kilometer. Die heutige Strecke führt uns über hügeliges und landwirtschaftlich genutztes Land. Mittag machen wir an einem idyllisch gelegenen See. Zu sehen gibt es auch die ersten Kaffeeplantagen im brasilianischen „Hochland“. Brasilien selbst ist der größte Kaffeeproduzent der Welt, meist mit der Sorte „Arabica“.

Aber der Geschmack des brasilianischen Kaffees ist nicht überzeugend. Grund dafür ist die Ernteweise in Brasilien. Da die Kaffeebohnen an einer Pflanze nie gleichzeitig reif werden, müssten sie eigentlich gezielt gepflückt werden, wie dies im zweitgrößten Anbaugebiet der Welt, im Vietnam der Fall ist. In Brasilien, bzw. genau genommen in Minas Gerais, sind aber die Arbeitskräfte zu teuer, sodass alles auf einmal geerntet wird, was zur Folge hat, dass noch nicht reife und überreife Früchte gemischt sind und somit wesentlich mehr Bitterstoffe im Kaffee (brasilianischer Kaffee ist zwar immer sehr bitter, aber selten stark) zum Tragen kommen. Den unterschiedlichen Reifegrad zeigt das folgende Bild:

DSC_0427

Kaffeepflanze

Bei den Arbeitskräften zeigt sich auch das brasilianische Dilemma der unterschiedlichen Löhne. In den südlicheren Minengegenden gab es kaum Sklaven und wenn doch, dann waren diese sehr gut bezahlt und relativ frei. In den nordöstlichen Bundesstaaten, dem Armenhaus Brasiliens, gab es früher sehr viele Sklaven und diese Zustände wirken auch noch bis heute nach. D.h., dort sind die Lohnkosten wesentlich niedriger. Würde Kaffee in den dortigen Tiefebenen wachsen, dann würde er ähnlich wie im Vietnam gezielt unter auch heute noch fast sklavenartigen Verhältnissen geerntet werden.

Am späten Nachmittag erreichen wir meist unterwegs über Überlandstraßen und manch einer Einbahnstraßenbrücke unser heutiges Tagesziel, die 250.000 Einwohnerstadt Governador Valadares, die erste größere Stadt seit Ouro Preto.

DSC_0382

Einbahnstraßenbrücke im Hinterland von Minas Gerais

DSC_0391

Fahrt durch Kaffeeplantagen im Hinterland von Minas Gerais

Erstmals auf dieser Reise gibt es Abendessen in einer Currascaria.

Tag 8: Governador Valadares – Vitoria da Conquista

Den ganzen heutigen Tag werden wir mehr als 700km unterwegs sein, um nach Vitoria da Conquista im Bundesstaat Bahia zu gelangen. Wieder geht es über schönstes brasilianisches Hinterland in Richtung Norden. Interessant sind auch die Waschmöglichkeiten der LKWs hier, man nimmt einfach den nächstbesten Fluss.

DSC_0399

Autowaschstraße im Fluß in Minas Gerais

DSC_0394

Im Hinterland von Minas Gerais

Aber auch dieser lange Fahrtag geht zu Ende und wir erreichen die 250.000 Einwohnerstadt Vitoria da Conquista am zeitigen Nachmittag. In einem Supermarkt in der Nähe von unserem Hotel gibt es auch eine brasilianische Eigenheit zu erleben. Nicht nur das eine Literflasche vom „51-er“ Cachaça (der, den man beim Caipirinha verwenden sollte) umgerechnet kaum 80 Cent kostet (bei uns in Europa etwa 16 Euro!), nein, die Brasilianer lieben es anscheinend in der Schlange zu stehen.

Anders ist es mir nicht zu erklären, warum sie mit einer Engelsgeduld in mehr als 100m langen Schlangen vor den Kassen stehen, ohne zu murren oder auch nur einen Anschein von Ungeduld zu erwecken, Hut ab vor dieser Leistung. Wenn so etwas mal bei uns in Deutschland wäre, dann gäbe es wahrscheinlich sofort einen „ARD-Brennpunkt“ im Fernsehen.

Tag 9: Vitoria da Conquista – Mucuge (Chapada da Diamantina)

Noch eine halbe Tagesetappe im LKW haben wir vor uns, bis wir unser Ziel, den Ort Mucuge im Parque Nacional Chapada da Diamantina erreichen werden. Die Fahrt dorthin führt uns durch den Sertao Baiano, der steppenartigen Landschaft im südlichen Bundesstaat Bahia. Wir verlassen die Hauptstraßen und fahren über die „Dörfer“ im „hinteren“ Hinterland. Es gibt Eselsgespanne zu sehen und die Landschaft wird karger.

DSC_0405

Fortbewegungsmittel im Hinterland des Bundesstaates Bahia

DSC_0430

Kaffeepflanze

DSC_0420

Arten der Kaffeetrocknung auf losen Boden (oben) und auf Betonboden (unten)

DSC_0426

Bereits zur Mittagszeit kommen wir im früheren Diamanten- und Kolonialstädtchen Mucuge im Süden des Nationalparks an und beziehen unser Hotel in einer denkmalgeschützten ehemaligen Jesuitenresidenz. Am Ortsrand besichtigen wir den ganz in weiß gehaltenen byzantinischen Friedhof des Ortes.

DSC_0431

Byzantinischer Friedhof von Mucuge

Um nach fast 3 Fahrtagen auch wieder etwas für die Beweglichkeit zu tun, haben wir beschlossen, dem Gipfelkreuz des Hausberges von Mucuge einem Besuch abzustatten. Fast in der Direttissima geht es die gut 300 Höhenmeter nach oben, eine schweißtreibende Angelegenheit nach den Faulenzertagen der Vortage.

Dafür wird man aber oben angekommen von einer herrlichen Aussicht belohnt. Nach kurzer Rast machen wir uns wieder auf den Weg zurück nach unten.

Tag 10: Chapada da Diamantina

Die Chapada da Diamantina, eine mit Tafelbergen, Tropfsteinhöhlen, Wasserfällen und Seen gespickte Landschaft im Sertao Baiano ist mit einer Größe von gut 1520qkm seit dem Jahre 1985 Nationalpark. Das Gestein hier ist reich an Eisenerzen und Diamanten. Der Park selbst wird auch gerne gerade in Kombination mit seinen markanten Tafelbergen und Canyons in grüner seenreicher Landschaft als das „Herz von Bahia“ aufgefasst. Der Name „Chapada da Diamantina“ selbst bedeutet übersetzt „Ebene der Diamanten“.

In der Nähe von Mucuge wollen wir auf einem Steinpfad eine Tageswanderung durch die pflanzenreiche Landschaft der südlichen Chapada unternehmen. Nachdem uns Ralph mit dem LKW am Startpunkt abgesetzt hat, geht es von 1200m ü.NN startend fast 1000 Höhenmeter abwärts, meist durch mehr als mannshohen Pflanzenbestand in unwahrscheinlicher und oft auch noch endemischer Vielfalt, hier wird so manch ein Pflanzenliebhaber sein „El Dorado“ finden.

DSC_0459

Auf dem alten Steinpfad der Diamantensucher zum Ort Igatu

DSC_0454

DSC_0461

DSC_0458

Hoffentlich führt der Pfad nicht ins Nirgendwo, denn die Strecke ist immer kaum mehr als 50m einsehbar. Angelegt wurde dieser alte Steinpfad schon von den schwarzen Sklaven. So zieht sich in den nächsten Stunden Foto an Foto und Pflanzenexpertise an Pflanzenexpertise, bis wir zur Mittagszeit das fast „verwunschene“ Geisterdorf Igatu erreichen, wo in der “Altstadt” noch die früher zwecks Kühlung in den Fels gebauten Häuser der Garimperos (Diamantensucher) gut erhalten sind.

DSC_0471

Altes Steinhaus der Diamantensucher im Ort Igatu

Einige hundert Meter weiter der deutliche Fall von „Unser Dorf soll schöner werden“, im wahrlich herausgeputzten Zustand zeigt sich der heutige Ort. Nach einer Mittagsrast wandern wir weiter talwärts, verbleibend auf dem Steinpfad und erreichen einige Stunden später wieder die Teerstraße im Süden des Nationalparks. Hier sammelt unser LKW unsere müden Knochen wieder ein und die Fahrt führt zurück nach Mucuge.

 

navleft          navup          navright

.