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Tag 7: Ouro Preto – Governador Valadares (Fortsetzung)
Die nächsten Tage werden nun reine Fahrtage werden, denn bis zu unserem nächsten „großen“ Ziel, der
Chapada da Diamantina, sind es weit mehr als 1200 Kilometer. Die heutige Strecke führt uns über hügeliges und landwirtschaftlich genutztes Land. Mittag machen wir an einem idyllisch gelegenen See. Zu sehen gibt es auch die
ersten Kaffeeplantagen im brasilianischen „Hochland“. Brasilien selbst ist der größte Kaffeeproduzent der Welt, meist mit der Sorte „Arabica“.
Aber der Geschmack des brasilianischen Kaffees ist nicht überzeugend. Grund dafür ist die Ernteweise in
Brasilien. Da die Kaffeebohnen an einer Pflanze nie gleichzeitig reif werden, müssten sie eigentlich gezielt gepflückt werden, wie dies im zweitgrößten Anbaugebiet der Welt, im Vietnam der Fall ist. In Brasilien, bzw. genau
genommen in Minas Gerais, sind aber die Arbeitskräfte zu teuer, sodass alles auf einmal geerntet wird, was zur Folge hat, dass noch nicht reife und überreife Früchte gemischt sind und somit wesentlich mehr Bitterstoffe im
Kaffee (brasilianischer Kaffee ist zwar immer sehr bitter, aber selten stark) zum Tragen kommen. Den unterschiedlichen Reifegrad zeigt das folgende Bild:
Kaffeepflanze
Bei den Arbeitskräften zeigt sich auch das brasilianische Dilemma der
unterschiedlichen Löhne. In den südlicheren Minengegenden gab es kaum Sklaven und wenn doch, dann waren diese sehr gut bezahlt und relativ frei. In den nordöstlichen Bundesstaaten, dem Armenhaus Brasiliens, gab es früher sehr
viele Sklaven und diese Zustände wirken auch noch bis heute nach. D.h., dort sind die Lohnkosten wesentlich niedriger. Würde Kaffee in den dortigen Tiefebenen wachsen, dann würde er ähnlich wie im Vietnam gezielt unter auch
heute noch fast sklavenartigen Verhältnissen geerntet werden.
Am späten Nachmittag erreichen wir meist unterwegs über Überlandstraßen und
manch einer Einbahnstraßenbrücke unser heutiges Tagesziel, die 250.000 Einwohnerstadt Governador Valadares, die erste größere Stadt seit Ouro Preto.
Einbahnstraßenbrücke im Hinterland von Minas Gerais
Fahrt durch Kaffeeplantagen im Hinterland von Minas Gerais
Erstmals auf dieser Reise gibt es Abendessen in einer Currascaria.
Tag 8: Governador Valadares – Vitoria da Conquista
Den ganzen heutigen Tag werden wir mehr als 700km unterwegs sein, um nach
Vitoria da Conquista im Bundesstaat Bahia zu gelangen. Wieder geht es über schönstes brasilianisches Hinterland in Richtung Norden. Interessant sind auch die Waschmöglichkeiten der LKWs hier, man nimmt einfach den nächstbesten
Fluss.
Autowaschstraße im Fluß in Minas Gerais
Im Hinterland von Minas Gerais
Aber auch dieser lange Fahrtag geht zu Ende und wir erreichen die 250.000
Einwohnerstadt Vitoria da Conquista am zeitigen Nachmittag. In einem Supermarkt in der Nähe von unserem Hotel gibt es auch eine brasilianische
Eigenheit zu erleben. Nicht nur das eine Literflasche vom „51-er“ Cachaça (der, den man beim Caipirinha verwenden sollte) umgerechnet kaum 80 Cent kostet
(bei uns in Europa etwa 16 Euro!), nein, die Brasilianer lieben es anscheinend in der Schlange zu stehen.
Anders ist es mir nicht zu erklären, warum sie mit einer Engelsgeduld in mehr als
100m langen Schlangen vor den Kassen stehen, ohne zu murren oder auch nur einen Anschein von Ungeduld zu erwecken, Hut ab vor dieser Leistung. Wenn so etwas mal bei uns in Deutschland wäre, dann gäbe es wahrscheinlich sofort
einen „ARD-Brennpunkt“ im Fernsehen.
Tag 9: Vitoria da Conquista – Mucuge (Chapada da Diamantina)
Noch eine halbe Tagesetappe im LKW haben wir vor uns, bis wir unser Ziel, den
Ort Mucuge im Parque Nacional Chapada da Diamantina erreichen werden. Die Fahrt dorthin führt uns durch den Sertao Baiano, der steppenartigen Landschaft
im südlichen Bundesstaat Bahia. Wir verlassen die Hauptstraßen und fahren über die „Dörfer“ im „hinteren“ Hinterland. Es gibt Eselsgespanne zu sehen und die Landschaft wird karger.
Fortbewegungsmittel im Hinterland des Bundesstaates Bahia
Kaffeepflanze
Arten der Kaffeetrocknung auf losen Boden (oben) und auf Betonboden (unten)
Bereits zur Mittagszeit kommen wir im früheren Diamanten- und
Kolonialstädtchen Mucuge im Süden des Nationalparks an und beziehen unser Hotel in einer denkmalgeschützten ehemaligen Jesuitenresidenz. Am Ortsrand besichtigen wir den ganz in weiß gehaltenen byzantinischen Friedhof des Ortes.
Byzantinischer Friedhof von Mucuge
Um nach fast 3 Fahrtagen auch wieder etwas für die Beweglichkeit zu tun, haben
wir beschlossen, dem Gipfelkreuz des Hausberges von Mucuge einem Besuch abzustatten. Fast in der Direttissima geht es die gut 300 Höhenmeter nach oben, eine schweißtreibende Angelegenheit nach den Faulenzertagen der Vortage.
Dafür wird man aber oben angekommen von einer herrlichen Aussicht belohnt.
Nach kurzer Rast machen wir uns wieder auf den Weg zurück nach unten.
Tag 10: Chapada da Diamantina
Die Chapada da Diamantina, eine mit Tafelbergen, Tropfsteinhöhlen,
Wasserfällen und Seen gespickte Landschaft im Sertao Baiano ist mit einer Größe von gut 1520qkm seit dem Jahre 1985 Nationalpark. Das Gestein hier ist reich an Eisenerzen und Diamanten. Der Park selbst wird auch gerne gerade in
Kombination mit seinen markanten Tafelbergen und Canyons in grüner seenreicher Landschaft als das „Herz von Bahia“ aufgefasst. Der Name „Chapada da Diamantina“ selbst bedeutet übersetzt „Ebene der Diamanten“.
In der Nähe von Mucuge wollen wir auf einem Steinpfad eine Tageswanderung
durch die pflanzenreiche Landschaft der südlichen Chapada unternehmen. Nachdem uns Ralph mit dem LKW am Startpunkt abgesetzt hat, geht es von 1200m ü.NN startend fast 1000 Höhenmeter abwärts, meist durch mehr als
mannshohen Pflanzenbestand in unwahrscheinlicher und oft auch noch endemischer Vielfalt, hier wird so manch ein Pflanzenliebhaber sein „El Dorado“ finden.
Auf dem alten Steinpfad der Diamantensucher zum Ort Igatu
Hoffentlich führt der Pfad nicht ins Nirgendwo, denn die Strecke ist immer kaum
mehr als 50m einsehbar. Angelegt wurde dieser alte Steinpfad schon von den schwarzen Sklaven. So zieht sich in den nächsten Stunden Foto an Foto und Pflanzenexpertise an Pflanzenexpertise, bis wir zur Mittagszeit das fast
„verwunschene“ Geisterdorf Igatu erreichen, wo in der “Altstadt” noch die früher zwecks Kühlung in den Fels gebauten Häuser der Garimperos (Diamantensucher) gut erhalten sind.
Altes Steinhaus der Diamantensucher im Ort Igatu
Einige hundert Meter weiter der deutliche Fall von „Unser Dorf soll schöner
werden“, im wahrlich herausgeputzten Zustand zeigt sich der heutige Ort. Nach einer Mittagsrast wandern wir weiter talwärts, verbleibend auf dem Steinpfad und
erreichen einige Stunden später wieder die Teerstraße im Süden des Nationalparks. Hier sammelt unser LKW unsere müden Knochen wieder ein und die Fahrt führt zurück nach Mucuge.
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