Tag 15: Minto Ressort - White Pass & Yukon Route Railway - Skagway

4.45 Uhr soll heute Abfahrt in Minto sein, damit wir rechtzeitig den Zug der White Pass & Yukon Route Railroad in Fraser (British Columbia) erreichen. Bis dahin sind aber gut 5 Stunden Fahrzeit.

So fällt das Frühstück flach und obwohl ich meinen Wecker auf 4:20 Uhr gestellt habe, bin ich nach 22 Minuten als Erster fertig mit dem Schlafsack, Gepäck und Liegematten verstauen, sowie mit dem Zeltabbau (heute ist der erste Tag mit trockener Unterplane). Manche brauchen da im Zwei-Personen-Zelt mehr als eine Stunde, in Juneau werde ich dann die ganze Sache in 19 Minuten schaffen.

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”Erholte” Natur nach einem Buschfeuer

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Lake Emerald

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White Pass & Yukon Route Railroad (WP&YR) bei Fraser (Kanada, British Columbia)

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WP&YR Railroad, Steel Bridge von 1901

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WP&YR Railroad, am Hang entlang

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 Tunnel

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WP&YR Railroad, Landschaft

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WP&YR Railroad, Kehre bei Glacier Station

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WP&YR Railroad, Black Cross Felsen

Noch bei Dunkelheit starten wir mit unserer Reise, der Einzige, der hoffentlich keinen verschlafenen Eindruck macht ist der Mann vorne links im Wagen, für den Rest wird es zunächst eine kurzweilige Fahrt. Mit Schnarchgeräuschen halten sich die meisten zurück und nach Fotostopps schreit auch keiner.

Kurz vor Whitehorse entdecken wir im vor Jahren abgebrannten Gebüsch Wapiti-Hirsche, das Wiedererblühen der Natur in den unterschiedlichsten Farben (siehe Bild links) bietet schon einen sehr angenehmen Kontrast.

In Whitehorse legen wir für das Frühstück eine Rast in einem Schnell-Cafe ein, die Zivilisation hat uns wieder eingeholt. Weiter führt die Strecke in Richtung Küstengebirge und Pazifischen Ozean. Die kleinste Wüste der Welt in Carcross lassen wir links liegen und legen am Lake Emerald und am Lake Bennett mehrere Fotostopps ein.

Der Lake Emerald ist bekannt für seine Farbenpracht, wie nicht unschwer am Bild links zu erkennen, der Lake Bennett ist der Quellsee des Yukon Rivers.

Der Yukon River ist einer der wenigen Flüsse, der, zumindest wenn er nicht zugefroren ist, von seiner Quelle bis zur Mündung schiffbar ist. Dies ist auch der Grund, warum die Goldsucher diese Route für ihren “Anmarsch” zu den Goldfeldern am Klondike bei Dawson City gewählt haben.

Aber wie sind die Goldsucher nun vom Hochseehafen in Skagway oder Dyea zum Lake Bennett gekommen? Von Dyea gibt es den Chilkoot Trail mit seiner Passhöhe auf gut 1140m, von Skagway war der ähnlich hochgelegene White Pass (1003m) zu überwinden. Dies war so oft der Fall, bis die Goldsucher Material für das Überleben im ersten Jahr zusammen hatten, denn vorher durften sie nicht in Kanada einreisen (die Häfen liegen ja in Alaska).

1897 wurde das Gold am Klondike gefunden, am 28. Mai 1898 wurde mit der Konstruktion einer Eisenbahnlinie begonnen, die am White Pass entlang gehen soll, am 20. Februar 1899 wurde der White Pass auf abenteuerlicher Route über halsbrecherische Brücken und durch Tunnels hindurch erreicht. Am 6. Juli 1899 fuhr der erste Zug nach Bennett, der dann Gold im Wert von 500.000 $ nach Skagway zurückbrachte.

Nach dem Goldrausch geriet die Strecke etwas in Vergessenheit. Erst private Investoren haben die sogenannte White Pass & Yukon Route Railroad wieder als Touristenzug zum Leben erweckt, teilweise sogar mit den historischen Waggons und Lokomotiven. Wir steigen der 2-stündigen Panoramafahrt im Ort Fraser (British Columbia) zu, d.h., wir haben die Talfahrt abwärts nach Skagway gebucht.

Die ersten Kilometer verlaufen noch auf der Ebene durch karge steinige Landschaft, dann aber dann wird es imposant (und regnerisch).

Wie aus dem Nichts taucht aus dem Nebel die alte Eisenbahnbrücke von 1901 auf. Da ich beschlossen habe, auf der äußeren Plattform des Waggons die Regenmassen und Nebelschwaden auf mich einwirken zu lassen, erkenne ich sie noch rechtzeitig und auf meine Nikon Kamera ist mal wieder Verlass. Gut 500m ist der Tunnel im Tunnel Mountain lang, der nach der Dead Horse folgt. Teilweise verläuft die Route mehr als 300m über dem Flusslauf des Skagway Flusses. Im wahrsten Sinne des Wortes geht es Zug um Zug mit den beiden Diesellokomotiven dem Tal entgegen.

Nachdem die (Regen-)Wolkendecke durchfahren ist, sind auch wieder die Konturen der anderen Schluchtseite erkennbar.

Vorbei führt die Strecke an weiteren Schluchten. Da ich intelligenterweise das Ende des Zuges gewählt habe, ergeben sich an den Windungen und der Kehre bei Denver an der Ostgabel des Skagway-Flusses interessante Fotoobjekte. Ob die mir gelungen sind, dies liegt bei Euch.

Der Regen prasselt unaufhörlich weiter herunter, da ich auf der hinteren Plattform stehe, ist die Nässe noch zu ertragen und Jacke sowie Regenhose halten (heute) noch dicht.

Wie ein Zeitmonument liegt auch heute noch der Black Cross Felsen neben der Strecke. Seit dem 3.August 1898 ist der 1000 Tonnen schwere Granitfelsen das steinerne Grab von 2 Arbeitern, die er unter sich begrub.

In der Ferne, wenn man das von 10 Kilometern sagen kann, ist auch schon das 650-Seelenort Skagway und der längste Fjord der Welt, der Lynn Canal, zu erkennen. Soviel Einwohner hat Skagway, wenn mal keine Touristen da sind.

Fast schon in der Mitte des Marktplatzes befindet sich der Bahnhof von Skagway. Da wir mit der Zugfahrt wieder nach Alaska eingereist sind, dürfen wir noch nicht aussteigen, denn zuerst sind die Einreiseformalitäten fällig. Die sind aber für amerikanische Verhältnisse kurz und schmerzlos. Nach einer kurzen Passkontrolle ist die Sache auch schon wieder vorbei.

Neben dem Waggon wartet auch schon unser Ford-Van wieder, der mit unserem Uwe die Straße von Fraser nach Skagway gefahren ist, da die Eisenbahn eben nicht autotauglich ist.

Wie schön ist diese Eisenbahnfahrt erst, wenn strahlender Sonnenschein am subarktischen Regenwald hier in Skagway ist.

 

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