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Reisetag 22: Kilimanjaro Airport - Sansibar

Pünktlich hebt die ATR72 Turbo-Prop-Maschine der Precision Air vom Kilimanjaro-Flughafen ab. Da leider eine durchgehende Wolkenschicht vorherrscht, besteht nicht die Chance einen Blick auf den Kilimanjaro oder auch nur auf das Bergmassiv zu werfen. Somit haben alle anderen aus der Gruppe nicht die Chance bekommen, den Kilimanjaro auf dieser Reise sehen zu dürfen.

Der Flug nach Sansibar dauert eine gute Stunde und wir landen pünktlich am Flughafen von Sansibar. Gänzlich anders als an vielen Flughäfen ist hier die Gepäckausgabe organisiert. Ein Mitarbeiter trägt einfach ein Gepäckstück nach vorne und legt es auf einem Tisch, von wo man es dann in Empfang nehmen kann. Es geht schon jetzt bei nur 70 ankommenden Reisenden turbulent zu. Was ist hier erst los, wenn eine vollgepackte Condor-Maschine ankommt?

Am Ausgang werden wir schon von einem Vertreter der örtlichen Agentur erwartet. Er bringt uns zum bereitstehenden Bus und die zehnminütige Fahrt zu unserem Hotel in der Altstadt von Sansibar-Stadt kann beginnen. Aufgrund der sehr vielen Steinhäuser hat die Altstadt auch den Namen Stonetown.

Die Vegetation hier auf der Insel im Indischen Ozean unterscheidet sich sehr deutlich von Tansania. Schon in Flughafennähe sind unzählige Palmen zu erkennen.

Unser Hotel ist das Dhow Palace Hotel in Stonetown, nur einen Katzensprung von der Strandpromenade entfernt. Das Hotel ist in Form eines Sultanpalastes aufgebaut, auch die Zimmer machen einen sehr positiven und altehrwürdigen Eindruck, so sind z.B. die Bäder sind im orientalischen Stil gefliest.

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Innenhof des Dhow Palace Hotel in Stonetown

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Dhow Palace Hotel - Bad

Da aktuell die Zeit des Ramadan ist und die Bevölkerung auf der Insel Sansibar zu über 90% muslimisch ist, wird uns schon im Hotel geraten, dass wir uns zu Sonnenuntergangszeiten nicht auf den Straßen aufhalten sollten. Der Grund dafür ist, dass genau zurzeit des Ende des täglichen Essverbotes im Ramadan viele Gelegenheitsdiebe versuchen, ihre Einkommensverhältnisse durch einseitige Eigentumsübertragungen zu verbessern.

Wir beschließen deshalb, in das fast neben dem Hotel liegende Africa House zu gehen. Im ersten Stock gibt es dort eine Terrassenkneipe mit einem herrlichen Blick auf das Meer und den Sonnenuntergang. Da aber jetzt auch über dem Meer Wolken aufziehen, vergeht dem Himmel die Farbenfrohheit eines Sonnenuntergangs.

Nachdem unser Reiseleiter Mike bis jetzt immer noch nicht eingetroffen ist, sein Gepäck hat die Reise nach Sansibar bereits mit uns angetreten, gemacht machen wir uns mit dem Vertreter der örtlichen Agentur auf den Weg zum Abendessen in einem ausgelagerten Restaurant. Mike wird erst spät abends über kenianische Umwege in Sansibar eintreffen.

Einen Absacker genehmige ich mir dann noch mit dem harten Kern unserer Gruppe im schon bekannten Africa House.

Reisetag 23: Sansibar - Sultan Sands Island Resort

Den heutigen Vormittag wollen wir zu einer Stadtführung in Stonetown nutzen. Sansibar gehört seit 1964 als autonomer Teil zu den Vereinigten Republiken von Tansania, genau genommen wurde es damals durch einen Staatsstreich von Tanganjika annektiert. Zuvor war es ein Sultanat im Schutzgebiet der britischen Krone. Aus beiden Ländern wurde dann der Staat Tansania.

Auch wenn oft Gegenteiliges erzählt wird, Sansibar war zu keiner Zeit Teil von Deutsch-Ostafrika. Im sogenannten Helgoland-Sansibar-Vertrag von 1890 wurden die ostafrikanischen Besitzverhältnisse zwischen britischer Krone und Deutschem Reich geregelt. Da die Briten auf Helgoland einen Militärstützpunkt hatten, war dies den Deutschen ein Dorn im Auge. Für Helgoland verzichteten sie auf das heutige Kenia und erhielten dafür den Caprivi-Streifen, die nordöstliche Verbindung zwischen dem heutigen Namibia (ehemaliges Deutsch -Südwestafrika) und den Viktoriafällen. Auch wenn dieser Streifen zunächst unsinnig erscheint, geplant war die Achse bis nach Deutsch-Ostafrika durchgehen zu lassen und damit eine zusammenhängende Kolonie zu haben. Diese Kolonie hätte dann vom heutigen Namibia bis Tansania gereicht.

Viele, ich lange auch, sind ja auch der Meinung, dass der Kilimanjaro zu Kenia gehört, auch macht der Grenzverlauf zwischen Tansania und Kenia in dieser Gegend eigentlich nicht so richtig Sinn, es hat aber seinen Grund. Im Jahre 1885 schließt der Sultan Mandara von Chagga und Kilimanjaro einen Vertrag ab mit der Deutsch-Ostafrikanischen-Gesellschaft (DOAG) zwecks Zoll, Steuern und Landrechte sowie der Ermöglichung einer deutschen Verwaltung. Im Jahre 1890 übernimmt das Deutsche Reich die von der DOAG vertraglich festgelegten Gebiete.

Sansibar selbst war sehr lange Zeit ein Sultanat und stand lange unter der Verwaltung des Sultans von Oman. Aufgrund des Klimas gedeihen auf der Insel sehr viele Pflanzen und v. a. auch Gewürzpflanzen. Deshalb hat Sansibar auch den Beinamen „Gewürzinsel“. Viele der Gewürze sind aber nicht ursprünglich von der Insel, sondern wurden vor Jahrhunderten während der omanischen Herrschaft importiert. Aufgrund des verträglichen Klimas nutzten die Sultane von Oman auch Sansibar gerne als ihre „Sommerresidenz“.

In der Altstadt sind viele Häuser aus Stein gebaut, daher auch der Name „Stonetown“. Üblicherweise und gemäß Sitte wurden bei diesen Häusern als Erstes die Türen gebaut und anschließend das Haus außen herum, so gibt es in der Altstadt sehr viele alte Türen und Türstöcke zu sehen. Die Gassen in der Altstadt sind sehr eng und die Mopeds fahren nach dem Motto »Nach mir die Sinnflut«

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Stonetown - alte Holztür

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Stonetown - alte Holztür

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Stonetown - alte Holztür

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In den Gassen von Stonetown

Was die Verlegung der Medienanschlüsse für Strom und Wasser betrifft, besser wäre der Begriff „Aufhängung“, ist diese als gewagt und abenteuerlich zu bezeichnen, Alles hängt kreuz und quer in der Luft herum und typisch Afrika: es funktioniert!

Fortschrittlich ist dabei die elektronische Leckageüberwachung der Wasserleitung. Da das Stromkabel direkt an der Wasserleitung angebracht ist, kann es bei Wasserverlust sofort reagieren.

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Abenteuerliche “Aufhängung” der Medienanschlüsse (Strom und Wasser!)

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In den Gassen von Stonetown

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Kirche und Minarett in Eintracht nebeneinander

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Afrikanischer Gerüstbau

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Hindutempel

Sansibar ist eine tolerante Gesellschaft. Es sind zwar über 90% der Bewohner der Insel muslimisch, diese leben aber in Eintracht mit Christen und Hindus, Gleiches gilt natürlich auch umgekehrt. Laut Sultanerlass durfte früher kein Gebäude höher sein als das höchste Minarett. Auch beim Bau der anglikanischen Kirche hielt man sich daran, ohne Kreuz auf dem Kirchturm war sie niedriger. Da aber vom Sultan das Kreuz gespendet wurde, war sie urplötzlich das höchste Gebäude der Stadt. Auch war diese Kirche das erste öffentliche Gebäude in Stonetown, bei dem die Eingangstür erst zum Schluss eingebaut wurde.

Aufgrund der labyrinthartig angelegten Gassen ist es doch nicht ganz so einfach aus diesen wieder herauszufinden. Auch die Arbeitsschutzvorschriften beim Bau würden die Selbstmordraten von deutschen Berufsgenossenschaftsmitarbeitern deutlich in die Höhe schnellen lassen. Paradebeispiel dazu ist der landestypische Gerüstbau, Improvisation stützt Improvisation ab. Gehalten im freien Raum von einem Lufthaken mit M6-er Gumminiete. Übersetzt bedeutet: dies: „Und es hält trotzdem!“.

Berühmtester Sohn der Stadt ist der Queen-Sänger Freddy Mercury, der hier geboren wurde. Der Anblick seines Geburtshauses darf natürlich bei einer üblichen Stadtführung nicht fehlen.

Nach dem Besuch des Arabischen Forts schließen wir die Stadtführung mit der Museum „House of Wonders“ ab. Dieses Haus war das erste Gebäude in ganz Ostafrika mit Elektrizität und fließendem Wasser aus Stahlrohren.

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House of Wonders

Anschließend verlassen wir Stonetown in Richtung Norden, um eine landestypische Gewürzplantage zu besuchen. Vor dem Rundgang erhalten wir ein Mittagessen einheimischer Art, gegessen wird dabei auf einer Decke am Boden. Danach gibt es eine ausführliche Führung durch die Plantagen.

Wenn ich jetzt über alle Gewürzpflanzen schreiben würde, die hier angebaut werden, dann könnte ich wahrscheinlich noch jahrelang weiterschreiben. Dies würde aber den Rahmen dieser Reiseschilderung deutlich sprengen.

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Gewürzplantage

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Pflanzenbeet

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Bananenpflanze

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Kokusnusspalme

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Jackfrucht

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Echte Vanille

Mit sehr vielen neuen Informationen verlassen wir unsere Gewürztour, um zu unserem Tagesziel zu fahren. Für die nächsten 3 Nächte sind wir im Sultan Sands Island Resort untergebracht. Dieses liegt in an der Ostküste in der Nähe des Ortes Kiwengwa.

Nach einer einstündigen Fahrt kommen wir am direkt am türkisfarbenen Indischen Ozean gelegenen Hotel an und beziehen unsere Doppelhaushälften, die unsere Zimmer für die nächsten Tage sein werden.

Reisetag 24 und 25: Sultan Sands Island Resort

Die nächsten beiden Tage nutze ich wie viele von uns zum Ausspannen, auch wenn für mich Strandurlaub im Vergleich zu Trekkingtouren eigentlich der absolute Horror ist. Aber da muss ich durch. Ich habe den Kilimanjaro geschafft, dann sollten diese Strandtage auch machbar sein.

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Sultan Sands Island Resort

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Sultan Sands Island Resort

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Sultan Sands Island Resort

Manche von uns nehmen an Schnorcheltouren teil, bei meinen Schwimmfähigkeiten käme ich mit dem Austrinken des Indischen Ozeans gar nicht nach, um das eigene Untergehen im Wasser zu verhindern.

Reisetag 26 und 27: Sultan Sands Island Resort - Nach Hause

Die zwei Strandtage sind meinerseits schadenfrei überstanden, die Reise neigt sich ihrem Ende entgegen.

Am zeitigen Nachmittag sollen wir von einem Bus abgeholt werden und zum Flughafen von Sansibar gebracht werden. Der Bus kommt auch pünktlich. Aber der Fahrer macht etwas, was in Tansania sehr unüblich ist, er stellt den Motor des Fahrzeugs ab. Im Normalfall laufen bei Safaris oder Rundreisen in Tansania bei jedem Halt oder bei jeder Pause die Motoren unaufhörlich weiter, auch dann, wenn man die Fahrer auf diese Energieverschwendung aufmerksam macht.

Beleidigt davon will der Motor aber nicht mehr anspringen, trotz unzähliger Reparaturversuche. Wie man es dann aber doch schafft, binnen 15 Minuten zwei Ersatzbusse zu beschaffen, bleibt dem afrikanischen Organisationstalent vorbehalten. Wir erreichen den Flughafen aber trotzdem rechtzeitig.

Der Flug mit Precision Air nach Daressalam dauert nur gute 20 Minuten und verläuft ereignislos. Da wir jetzt noch einige Stunden Zeit haben, genehmigen wir uns ein Abendessen in einem Restaurant im Außenbereich des internationalen Flughafens.

Weil alle anderen erst gegen 23 Uhr mit der KLM zurückfliegen und mein Flug mit der Swiss schon kurz nach 21 Uhr startet, muss ich von der Gruppe vorzeitig Abschied nehmen. Wie schon beim Abflug zum Kilimanjaro gibt es auch heute wieder eine Sicherheitskontrolle mit Gepäckdurchleuchtung direkt beim Eingang in den Flughafen.

Der Rückflug mit einer Zwischenlandung in Nairobi verläuft ereignislos und ich lande überpünktlich in Zürich. Auch der Anschlussflug nach Nürnberg startet überpünktlich, fast 4 Wochen Tansania sind zu einem Ende gekommen.

 

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