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Reisetag 20: Serengeti - Karatu

Der Besuch eines “wirklichen” Massai-Dorfes soll unser nächster Tagesordnungspunkt sein. Mit solchen touristischen Folkloreveranstaltungen habe ich so meine Probleme, v.a. wenn sich das Dorf kaum 100m neben der Hauptverbindungsstraße zur Serengeti befindet und auch noch 10 US-Dollar Eintritt für eine Stunde verlangt wird. Man sollte sich vor Augen führen, dass durch den Besuch unserer Gruppe alleine durch den Eintritt der Jahreslohn eines durchschnittlichen Tansaniers gesichert ist! Und wir sind sicherlich nicht die Einzigen am heutigen Tage.

Da ich beschlossen habe, daran nicht teilzunehmen, warte ich im Fahrzeug, bis die Veranstaltung vorbei ist. Aus Anstandsgründen verzichte ich auch auf das Fotografieren vom Fahrzeug aus. Es dauert aber seine Zeit, bis auch der Letzte von uns sich von den dargebotenen Einkaufsmöglichkeiten verabschiedet. Im Unterschied zur Serengeti dürfen die Maasai in der Ngorongoro Conservation Area mit Ausnahme des Kraters ihre Viehherden hüten. Möglich ist dies, da der Ngorongoro kein Nationalpark ist, sondern nur eine „Conservation Area“.

Heute bin ich wieder mit Rustie, jetzt ja Prostata genannt, unterwegs. Auch heute muss er wieder einige zusätzliche Zwischenstopps einlegen. Er benützt dabei immer die hintere linke Seite des Fahrzeugs, hoffentlich ist da jetzt nichts verrostet. Aber das Schicksal nimmt unaufhaltsam seinen Lauf. Bei der Auffahrt am äußeren Ngorongoro-Kraterrand macht es plötzlich einen Schlag und es beginnt gewaltig nach Gummi zu stinken. Nach dem Aussteigen sehen wir die Bescherung, eine Blattfeder, natürlich hinten links, ist gebrochen und das Rad steht am Radkasten an. Voll beladen weiterfahren ist unmöglich, aber glücklicherweise ist noch einer unserer Jeeps hinter uns. Mit 15 Personen inklusive komplettem Gepäck in einem 7-Sitzer Landcruiser wird es mächtig eng und für Motor und Kupplung des Fahrzeugs sehr anstrengend.

Da die Fahrzeuge nicht stark motorisiert sind, wird die Fahrt, bis wir an der Passhöhe ankommen, geschwindigkeitsspezifisch sehr gemütlich. Die Abfahrt zum Ausgang des Ngorongoro Park dafür aber zu einer Geschmack betonenden und Bremsbelag mordenden Angelegenheit. Prostata fährt mit dem jetzt leeren Fahrzeug weiter, es soll heute Abend höchstwahrscheinlich auf afrikanische Art repariert werden, d.h. es funktioniert am nächsten Tag wieder und keiner weiß was gemacht wurde.

Vom Parkeingang geht es weiter in den Ort Karatu, wo wir heute in der Kudu Lodge übernachten werden, einem wunderschönen Kleinod nach 8 Tagen nur im Zelt. Aber warum sind in Tansania alle Betten so kurz, sie sind immer kaum länger als 180cm und ich bin doch auch nicht länger als zu Hause?

Reisetag 21: Ngorongoro Krater

Mit einer Ausdehnung von 16x20km ist der Ngorongoro-Krater die größte nicht mit Wasser gefüllte Caldera der Welt. Eine Caldera, benannt nach dem spanischen Wort für Kessel, ist das Ergebnis eines Vulkanausbruchs. Die Caldera des Ngorongoro liegt etwa 600m tiefer als das umgebende Hochland und gilt, was die Tierpopulation betrifft, als der „Garten Eden Afrikas“. Prof. Grzimek bezeichnete ihn ehedem als das achte Weltwunder.

Genau dieses Weltwunder wollen wir heute besuchen. Prostatas Auto hat den Anschein das es heute wieder funktioniert. Auf bekannter Strecke, heute aber bei strahlendem Sonnenschein, geht es wieder den Kraterrand hinauf. Am Grzimek -Denkmal, wo wir vor Tagen noch unbedarft ausgestiegen sind, liegt heute kaum 50m entfernt ein ganzer Löwenrudel. Auch heute müssen wir teils um den Kraterrand herumfahren, da es nur eine Einfahrt und eine Ausfahrt in und aus dem Caldera gibt.

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Aussichtspunkt an der Einfahrt in den Ngorongoro-Krater

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Einfahrtsweg in den Ngorongoro-Krater (roter Hintergrund)

Auf sehr steiler Strecke geht es in den Caldera hinein und es dauert etwas, bis wir am Kraterboden ankommen. Auch hier ist deutlich erkennbar, dass wir uns mitten in der Trockenzeit befinden, aus grünen Pflanzen ist längst braungelbes Allerlei geworden. Dies hat zwar zum Nachteil, dass sich wesentlich weniger Tiere in der Caldera befinden, diese dann aber wesentlich leichter auszumachen sind.

In der Caldera lassen sich neben vielen mit Touristen besetzten Fahrzeugen, ausnahmslos Geländefahrzeuge und davon 95% Landcruiser, auch viele Mitglieder der Tierwelt beobachten. Wie wirkt dies hier alles erst, wenn alles wieder ergrünt ist?

Wir sind zwar auf der verzweifelten Suche nach einem Nashorn, aber unserem Fahrzeug soll dieser Erfolg verwehrt bleiben. Dass auch Löwen manchmal sehr atemlos sein können, zeigen sie uns heute. Auch nach zehn Minuten Ruhe sind sie noch völlig geschafft und bewegen sich um keinen Millimeter. Sie liegen auch noch kaum mehr als einen Meter neben der Piste. Wenn man es nicht genau sehen würde, könnte man meinen, dass sie sich auch mitten in einem Kilimanjaroaufstieg befinden.

Die ganzen Fotomotive hier aufzuzählen würde nur zur nächsten Wiederholung führen, aber trotz fehlendem Grün gibt es sehr viel zu sehen. Eine grüne Landschaft ist aber noch an den Ngoitokitok Springs zu sehen, einem kleinen See in der Caldera, der von einer unterirdischen Quelle gespeist wird.

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Elanantilope

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Verletztes Zebra

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Hyäne

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Kaffernbüffel

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Wandernde Gnuherde

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Viele Touristen und ein völlig geschaffter Löwe

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Geschaffter Löwe  -  "ready with the world"

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Kronenkraniche

Am Seeparkplatz legen wir unsere Mittagsrast ein. Man dürfte zwar hier das Fahrzeug verlassen, wenn man aber lästige Mitesser vermeiden will, sollte man besser im Fahrzeug bleiben. Personen, die sich nicht an diese Regel halten, werden von den umherkreisenden Milanen (Gabelweihen) erbarmungslos bestraft und ihres Essens teilweise direkt aus der Hand beraubt. Und diese Milane sind auch noch sehr flink und verdammt zielgenau.

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Picknickplatz an den Ngoitokitok Springs

Auch so manch eine Hyäne wird hier etwas sehr neugierig, sie ist kaum noch 10m von den nächsten Menschen entfernt. Anstatt sie zu verjagen, geht eine der Personen hier am Picknickplatz sogar noch auf sie zu!

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Wer ist hier am unvernünftigsten?

Nach dem Essen fahren wir weiter in unserer Runde in Richtung Ausgang des Kraters. An einem weiteren Picknickplatz macht unser Fahrer Prostata wieder seinen schon bekannten P-Stopp. Trotz angewandtem Rotationsprinzip bin ich heute irgendwie wieder bei Prostata als Fahrer gelandet. Aber warum schaut er wieder so entgeistert auf das hintere linke Rad? Es wird doch nicht schon wieder ? Gestern war ich vorne links gesessen und heute auf der rechten Seite, mein Lebendgewicht kann nur bedingt dazu beigetragen haben, dass schon wieder oder mehr wahrscheinlicher immer noch eine Blattfeder kaputt ist.

Repariert man in Afrika Blattfedern durch Handauflegen?

Es ist ersichtlich, dass die bereits gestern kaputte Sicherungsmuffe der Blattfeder noch im gestrigen unreparierten Zustand verharrt.

Aber heute ist es möglich, dass wir ohne Umladen von lebendem Inventar (Touris) und totem Inventar (Gepäck) mit dem Fahrzeug weiterfahren können. Nur Prostatas Nervenkostüm ist inzwischen sehr angegriffen.

Auch die steile Aus- bzw. Auffahrt aus dem Krater funktioniert mit dem Landcruiser noch, ebenfalls die anschließende Rückfahrt zu unserem Hotel in Karatu.

Reisetag 22: Karatu - Kilimanjaro Airport - Sansibar

Der heutige Tag ist ein reiner Transfertag. Nach dem Frühstück werden wir Karutu in Richtung Arusha verlassen, um am Kilimanjaro-Airport dann weiter zur Insel Sansibar zu fliegen.

Um Prostatas Wagen mache ich heute einen weiten Bogen, heute ist Potato der Fahrer meiner heutigen Teilgruppe. Die ersten Kilometer aus Karatu heraus verlaufen ereignislos, aber an einer Steigung schert der vor uns fahrende Prostata plötzlich mit seinem Fahrzeug in Richtung Standstreifen aus. Wir sehen, das Prostata völlig entnervt aus dem Fahrzeug aussteigt und einfach die Welt nicht mehr versteht.

Heute hat sich zwar die Blattfeder noch zu keine Dummheiten hinreißen lassen, aber das Differenzial des Landcruisers hört sich verdammt nach einem Kariesbefall im Endstadium an. Auch das linke Vorderrad leitet an Parkinson, so wie es sich hin und her schüttelt. Mitfahrer in seinem Fahrzeug wissen zu berichten, dass das Lenkrad nur durch Zufall noch von einer Heißhungerattacke seitens Prostata verschont geblieben ist.

Es dauert keine 10 Minuten und der tansanische ADAC ist vor Ort. Er ist zwar nicht gelb gekleidet, hat auch kein Auto, sondern sitzt nur auf dem Beifahrersitz eines Mopeds, er hat aber drei Gabelschlüssel dabei, die er vor das Fahrzeug legt. Aber soll sich jetzt das Fahrzeug von selbst reparieren, denn er beginnt nicht mit dem Arbeiten, auch nicht die Anderen.

Wir haben zwar heute genügend Puffer bis zum Flug, aber restlos sollten wir diesen auch nicht vertrödeln. Jetzt ist es von großem Vorteil, dass Zara in Karatu eine Niederlassung hat. Es dauert zwar ein paar Minuten, was in Afrika mit einer geschlagenen Stunde gleichzusetzen ist, aber dann ist ein Ersatzfahrzeug samt Fahrer da, es kann weitergehen.

So führt uns die Fahrt westwärts in Richtung Arusha. Aber wer überholt uns da in einem Affenzahn? Es ist der Landcruiser von und mit Prostata, wie durch ein Wunder funktioniert er jetzt wieder. Da aber Prostata immer wieder seine P-Stopps einlegen muss, können wir in noch mehrmals überholen.

An der von der Anreise schon bekannten Schlangenfarm machen wir heute Mittagsrast, um anschließend im dichtesten Freitagnachmittagsverkehr durch Arusha fahren zu müssen. Die Verkehrsbedingungen im Innenstadtverkehr bleiben aber für eine Millionenstadt in einem Nicht-Industriestadt in einem erträglichen Rahmen. Dies überrascht vor allem auch, da sich gerade neben den Hauptverkehrsstraßen ein Großteil des wirtschaftlichen Lebens stattfindet. Man müsste es vergleichen, als wenn bei uns Aldi, OBI, IKEA und Co direkt neben dem Strandstreifen der Autobahn wären und es neben den Geschäften keine Parkplätze geben würde. Noch mit genügend Pufferzeit kommen wir am Kilimanjaro Airport an, wegen des Dunstes gibt es aber den Berg nicht zu sehen.

Jetzt heißt es Abschied nehmen von unseren Fahrern, wir werden nach Sansibar fliegen. Bis auf Reiseleiter Mike bekommen wir alle unser Ticket, Mike steht aber nur auf der Warteliste für einen der Folgeflüge, wann werden wir ihn wiedersehen?

 

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