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Tag 12: San Pedro nach San Antonio de los Cobres über den Paso Sico
Kilometermäßig wären es ja heute “nur” gut 300km bis ins 3800m hoch gelegene argentinische San Antonio de Los Cobres (“Heiliger Antonio des Kupfers”), aber zwischen
den 12 Stunden Fahrt haben sich die Verweilzeiten unserer Pässe bei den chilenischen und argentinischen Grenzbeamten und die Pässe der Anden, allen voran der Paso Sico, gestellt.
Die Ausreiseformalitäten für die fast 200km entfernte Grenze muss man direkt am Ortsausgang von San Pedro de Atacama erledigen. Und damit beginnen für mich schon die ersten Probleme. Wie bei
der Einreise schon erzählt, fehlt mir ja das überlebenswichtige weiße und abgestempelte Ausreiseformular für Chile und wie bringe ich das dem Grenzbeamten bei, das die bei der Einreise so blöd waren?
Nach einiger Überzeugungsarbeit von Reiseleiterin Sandra (meine Spanischkenntnisse hätte der Beamte sicherlich als Beleidigung aufgefasst) komme ich doch noch zum begehrten Stempel und der
Abreise kann nichts mehr im Wege stehen.
Langsam ansteigend geht die asphaltierte Strecke bis zum Örtchen Socaire, der letzten (nicht funktionierenden) Tankstelle vor der Grenze, dann beginnt die Schotterpiste und wir können noch
einen letzten Blick auf dem Salar de Atacama werfen.
Die Vegetation wird immer dichter und bunter (typisch Chile: Wüste in der Ebene, Wiesen in den Bergen und Schneefall nur im meteorologischen Sommer).
Die Farbenvielfalt nimmt immer mehr zu: Das gelb leuchtende Gras, die schneebedeckten fast 6000er der Anden, der strahlendblaue Himmel und das weißbraun der Schotterpiste und das alles bei
klarster Luft. Fast nach jeder Kurve, Spitzkehren gibt es erst in Argentinien, bietet sich ein neues Motiv, einfach zum Genießen die menschenleere Landschaft hier.
Von der Farbenpracht her schier überwältigend stellt sich der Salar de Talar, ein Salzsee auf gut 3500m dar. Von Pink, Blau, Weiß, Gelb und dem Rest der Farbenskala ist so ziemlich alles
vorhanden.
Nach einem Fotostopp nutzen wir die Zeit zum Wandern mit dem Panorama des Salzsees im Vordergrund. Da sich die Hoffnung aus dem linken Bild erfüllt, können wir doch wieder mit unserem LKW
weiterfahren.
Und die Weiterfahrt geht zum nächsten Salzsee und der hat neben allen anderen Annehmlichkeiten des Salar de Talar sogar noch Wasser. Diese herrliche Szenerie nutzen wir natürlich zu unserem
Mittagessen. Trotz fast 4000m Höhe ist von eingeschränkter körperlicher Belastbarkeit nichts mehr zu merken.
Oben am Paso Sico auf 4097m angekommen (genaugenommen ist der Pass eine Tiefebene, denn sie ist nicht die höchste Stelle der Andenüberquerung) überschreiten wir die Grenze nach Argentinien
begleitet von starken Windböen. Gut 25km nach der Grenze stehen nun die argentinischen Grenzformalitäten an. Da der Hauptverkehr über den nördlich gelegenen Paso Jama fließt, ist es hier sehr beschaulich. Wir sind
gerade das 7. (!) Fahrzeug über 3,5 Tonnen in diesem Monat und 1/3 des Monats ist fast vorbei.
Dass man als pflichtbewusster argentinischer Grenzbeamter (genaugenommen sind es ja drei) diese einmalige Chance einen deutschen LKW filzen zu können nutzen möchte, sind wir auf das
Schlimmste vorbereitet, aber wenn man die Zöllner in Gespräche über die Boca Juniors (gleichbedeutend mit Bayern München bei uns) vertieft, geht auch dieses wie ein winziges Mauerblümchen wirkendes
Pflichtbewusstsein flöten. Trotzdem zieht sich die ganze Prozedur über 1 1/2 Stunden hin und wir wollen vor Einbruch der Dunkelheit ja noch in San Antonio sein.
Vorher gilt es aber noch den höchsten Punkt der Reise, dem Alto Chorrillo mit 4570m zu überwinden. Aber vorher etwas Überraschendes: Bahngleise, auf 4400m, ja fast in den Wolken! Genau
diesen Namen hat auch der Zug dazu, der “Zug in die Wolken” der von Salta aus von 1200m sich die Anden hochschlängelt und an San Antonio vorbei bis zum Viadukt am Paso Huaytuquina neben Bodenerzen auch
einmal wöchentlich Touristen hierauf bringt.
Ein Foto mit dem LKW auf den Gleisen lasse ich mir natürlich nicht entgehen. Es dauert nur wenige Sekunden, bis ich Markus an die richtige Stelle mit LKW bugsiert habe und unter Einsatz
meines Lebens, da ja jeden Augenblick der Anden-ICE kommen könnte, ein Foto für die Nachwelt bzw. den Erben meiner Lebensversicherung mache. (Jetzt mal ehrlich: Markus hat nur kurz an den Gleisen angehalten und wenn
mal mehr als alle 2 oder 3 Tage ein Zug kommt, dann fallen fast Weihnachten und Ostern auf einen Tag.)
Im Gegensatz zur chilenischen Seite geht es die 800 Höhenmeter nach San Antonio hinunter meist in Spitzkehren und das auf Schotterfeldwegen.
Gerade noch rechtzeitig vor Sonnenuntergang kommen wir in San Antonio an. Mit 3770m Höhe übernachten wir heute auf gleicher Höhe wie dem Fujijama in Japan. Und beim
Abendessen heißt es sich umzustellen, denn in Argentinien haben sie jetzt die 3/4l Bierflaschen eingeführt. In Anlehnung an die “gut” gefüllten Maßkrüge beim Oktoberfest in München: Laut Etikett sind nur
650ml drin.
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