yukonkanu

Tag 12: Kanutour auf dem Yukon River

Die Käsespätzle sind verdaut, die Polarlichter überlebt, der faszinierende Sonnenaufgang am nebelverhangenen Yukon fotografiert, so können wir nun gestärkt unsere Kanutour starten. Aber zunächst gibt es noch etwas Theorie.

Reiseleiter Uwe erklärt uns, wie man die richtige Paddellänge auswählt, welche Paddeltechniken es gibt, was der Unterschied zwischen Schlag- und Steuermann/-frau ist, wie man richtig anlandet, d.h. nicht 200m zu früh oder 10m zu spät, wobei Ersteres wahrscheinlicher ist, denn kaum einer schätzt die Uferströmung immer richtig ein. Anschließend erhält jeder von uns seine wasserdichte Tonne für das persönliche Gepäck in den nächsten 3 Tagen.

Nach der Packorgie mit den 50l-Tonnen (die können manchmal verdammt klein sein) geht es zur Verteilung der Boote. Neben 2 Personen muss es zusätzlich deren Gepäck und einen Teil der Ausrüstung mitnehmen. Mit unserem Enfant terrible Theo teile ich mir ein Kanu. Sollten wir untergehen, dann gibt es in den nächsten Tagen nur Dosenfutter, kalte Küche und kein Lagerfeuer sowie 2 Mitesser weniger zum Durchfüttern.

a11302

Carmacks, Sonnenaufgang im Frühnebel am Yukon River

a124

Schnellboot Theo beim Ablegen

a11502

1. Zeltcamp neben dem Yukon River

a11902

Roter Ahorn am 1. Zeltcamp

a11702

“Beste Weinlagen” am Yukon River

a11802

Yukon River

a12602

Die restliche Ausrüstung wird auf die anderen Kanus verteilt. Bis auf das Boot mit Burgfräulein und Märchenprinz, wo unser Reiseleiter sicherheitshalber mitfährt, sind alle Boote immer mit 2 Personen besetzt.

Eine dritte Person auf unserem Boot wäre nicht ganz so gut gewesen, denn dann wäre aus unserem Kanu schnell ein U-Boot geworden.

Da der Yukon eine durchschnittliche Strömungsgeschwindigkeit von 7-8 km/h hat, sind Start- und Anlandemanöver immer ein interessantes Schauspiel.

Gut 4 bis 5 Stunden soll die heutige Tagesetappe dauern, für den Anfang schon nicht mal wenig. Wiedererwarten kann unser Schnellboot doch einen ziemlich geraden Kurs hinlegen, obwohl Schlagmann Theo gut 20cm kleiner und 40kg leichter wie Meinereiner ist.

Deshalb müssen wir das Boot noch etwas austrimmen, denn was hilft es, wenn Theo vorne wegen meiner Gewichtsklasse nur noch Luftlöcher schlagen kann. Ich muss mich halt bei der Schlagkraft und -länge etwas anpassen, weil sonst würde es mit der Zeit langweilig werden, wenn wir immer im Kreis fahren.

Ab Carmacks liegt das Flussbett des Yukons in einem Tal, fast schon ähnlich wie der Oberrheingraben, nur nicht so tief. Wir überlegen uns schon Namen für die Namen der verschiedenen Weinberge, die wir hier anlegen könnten (z.B. “Yukoner Nacktarsch”).

Die Stille auf dem Fluss (in den nächsten 3 Tagen werden wir 2 Kanus sehen und 5 Autos hören) wäre ja wunderschön, aber vom Kommandostand eines unserer Kreuzer ist immer Gelabere ohne Unterbrechung zu hören. Warum “Kreuzer”?

Tja, wenn man immer den Fluss zig-zag hinundherfährt bzw. fahren muss, weil der Steuermann keinen richtigen J-Schlag (Daumen nach unten) oder einen falschen J-Schlag (Daumen nach oben, manchmal auch “Deppenschlag” genannt) durchführt, obwohl sich die Paddelkraft zum Schlagmann deutlich unterscheidet, der hat halt manchmal weitere Wege.

Da wir auf unserem Boot beschlossen haben, dem Kinderfaschingstreiben auf dem Yukon nicht weiter zuzuschauen (wir wollen richtig Paddeln, nicht nur Paddel-in-der-Waagrechte-halten wie im Kemenatenboot üben, lassen wir uns etwas zurückfallen, üben zwischendurch mal das Nachbarboot abschleppen und ob wir auch gegen die Strömung ankommen.

Gegen 16 Uhr erreichen wir unseren ersten Übernachtungsplatz in einer Flussbiegung des Yukons. Das Anlanden klappt auf Anhieb problemlos. Die Zelte bauen wir im Wald zwischen den Bäumen auf, das Lagerfeuer und der Kochplatz befinden sich außerhalb des Lagers an einer kleinen Anhöhe.

Die Zeit nach dem Lageraufbau bis zum Abendessen nutzen wir zu einer kleinen Bergsteigerübung an den Hängen rund um unser Lager.

Oben angekommen (etwa 150m über dem Yukon) bietet sich eine herrliche Sicht auf den verschlungenen Yukon. Auch gibt es wieder Losungen der unterschiedlichsten Gattungen. Und das es feuerrote Ahornbäume gibt, das sehe ich heute zum ersten Mal.

Umgarnt wird unser Abendessen von einem herrlichen Sonnenuntergang (siehe Bild).

a12302

                           Im Kanu                                                                                          Sonnenuntergang am 1.Lagerplatz

a13302

Five-Finger-Rapids von oben

a13502

Eines von zwei Kanus in 3 Tagen !

a13602

Verlassene Station in Yukon Crossing

a13802

3. Zeltplatz in Minto

Tag 13: Kanutour Yukon

Mit fast 50km steht heute die größte Tagesetappe an. Die erste größere Schwierigkeit werden die Stromschnellen der Five-Finger-Rapids sein, im Spätherbst zwar relativ harmlos, von den Goldsuchern aber gefürchtet (wie schon bei Lucky Luke in “Am Klondike” beschrieben). Etwa 1km vor den Schnellen landen wir zunächst an, um uns ein Bild von oben zu machen.

Und gerade als wir oben ankommen (zu Fuß, mit den Booten wäre es etwas beschwerlich gewesen), fahren zwei Kanus durch die Stromschnellen, die Einzigen beiden in 3 Tagen und das auf der “Brennerautobahn” für Kanufahrer in Kanada. Nachdem uns Uwe erklärt hat, wie man Wasserspiegel innerhalb des Bootes bei der Durchfahrt durch die Stromschnellen relativ niedrig halten kann, machen wir uns zunächst fröhlich und nach den Five-Finger-Rapids feucht-fröhlich an die Sache.

Nächster Halt am Ufer nach den üblichen Kinderfaschingseinlagen ist Yukon Crossing, früher eine Station als Furt über den Yukon, heute eine verfallene Ruine.

Unser heutiges Ziel befindet sich auf einer Insel mitten im Yukon, die kaum größer als 5000 Quadratmeter ist.

Wieder Erwarten habe ich auch heute noch keinen Spatengang, aber das soviel Luft in die Verdauungskanäle reinpasst (vom Gefühl her waren das Kubikmeter), habe ich auch nicht für möglich gehalten. Unbelästigt von Mücken und anderem Getier lässt sich das Abendessen genießen. Übrigens, in den ganzen drei Wochen muss die Yukon Air Force (Mücken) Startverbot gehabt haben, denn wir haben so gut wie keine einzige Mücke gesehen.

Tag 14: Kanutour Yukon

Ein letztes Mal werden heute die Zelte am Yukon abgebaut, anschließend starten wir zu unserer letzten Etappe ins 40 Flusskilometer entfernte Minto-Ressort.

Im Slalomkurs geht es an den Inseln im Yukon vorbei. Sicherheitshalber auf der richtigen Seite, denn erwischt man den falschen Flussarm, dann wird aus einem Kanufahrer schnell ein Schlickrutscher.

Damit ist auch wieder eine Eigenheit des Yukons angesprochen, seine Untiefen, von 5mm bis 5m Tiefe ist so ziemlich alles vertreten. An den seichteren Stellen hört man sogar, wie durch die Bugwelle des Kanus am Grund der Schotter verschoben wird.

An 3 der Boote hat heute ein Schlagabtausch stattgefunden, d.h., Schlag- und Steuermann haben die Plätze getauscht. Dies hat zur Folge, dass aus der gemischten Schiffsflotte heute größtenteils Kreuzer werden. Kaum werfe ich wieder einen Blick zurück, fährt immer ein Boot nach links Richtung Ufer, das andere nach rechts, das nächste überlegt es sich noch und von den Schiffsbesatzungen sind wilde Diskussionen über den richtigen Weg auf dem Yukon zu hören. Glücklicherweise ist er meist bis zu 600m breit, sodass genügend Ausweichmöglichkeiten bestehen.

Am zeitigen Nachmittag erreichen wir alle unbeschädigt das herrlich über den Yukon gelegene Minto-Ressort, der Endstation unserer Kanutour. Auch wenn manche Boote wenige hundert Meter vor dem Ziel auf eine Sandbank aufgelaufen sind (unser Boot hat auch nur noch der Schwung weitergeholfen).

Anschließend werden die Boote und Ausrüstung an Land gebracht und gereinigt. Die Zeit bis Reiseleiter Uwe unseren Ford-Van aus Carmacks geholt hat nutzen wir zum Zeltaufbau und Entspannen bei herrlichen äußeren Bedingungen, bereits tags zuvor war wolkenloser Himmel. Da die Mittag essenden Rentnertourigangs noch Kaffeegebäck übrig gelassen haben, erhalten wir die Tortenstücke zum Spottpreis von 1 Can-Dollar (ca. 0,60€), der Kaffee ist umsonst. Auch besteht nach 3 Tagen wieder die Möglichkeit, erstens handelsübliche Sitzgelegenheiten für dringende Angelegenheiten (bei denen, wenn sie in die Hose gehen, man in einer ziemlich beschissenen Lage ist) und zweitens Duschen mit warmen Wasser zu benutzen.

Das Abendessen gibt’s wieder am Lagerfeuer. Da es am nächsten Tag zeitig rausgeht wird die Nacht nur kurz werden.

 

navleft navup navright