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Als sich der Gletscher auch nach längerem Warten nicht mehr dazu erbarmen lässt nochmals zu kalben, gibt der Kapitän das Signal zum Aufbruch.
Wieder geht es zwischen den Eisbergen hindurch an den Robben vorbei. Sie beobachten das Schiff so richtig unbeteiligt, als wollten sie sagen: “Und habt Ihr jetzt was Gescheides gesehen?”.
Dass der South Sawyer Gletscher nicht der Einzige in der Umgebung ist, wird uns bei der Rückfahrt wieder bewusst, gerade dann, wenn man mal wieder einen Blick in die Seitentäler des Fjords wirft.
An manchen Stellen sind die Wände so steil, dass das Boot bis unmittelbar an die Felswände heranfahren kann. Kommt dann von oben noch Wasser, so gibt es den Ganzkörpervollwaschgang zum Nulltarif.
An anderen Stellen ergießen sich richtige Wasserfälle an den Felsen entlang.
Dass es hier auch Buckelwale gibt, wird uns bei der Ausfahrt aus dem Tracy Arm Fjord bewusst. Mehrmals sind sie kaum mehr als 100m neben dem Boot, wenn sie kurz einmal auftauchen.
Unterbrochen von noch vielen Walfotostopps kommen wir gegen 18 Uhr wieder in Juneau an. Unser Boot parkt direkt vor der “Seven Seas Mariner”, denn auch in Juneau können Kreuzfahrtschiffe anlegen. Im
Hintergrund ist wieder die “Sapphire Princess” zu sehen, auf dem Wasser startet gerade ein Wasserflugzeug.
Am Abend steht noch das gemeinsame Kochen für das Abendessen an. Beim Gang zum Zelt fällt mir eine Eigenheit meines Außenzelts auf, eine Sache, die ich von Jack Wolfskin gar nicht mehr erwartet habe.
Da ich mein Zelt (wir haben Jack Wolfskin Yellowstone III Zelte erhalten) zwischen zwei Baumstümpfen habe aufstellen müssen (woanders wurde es mir nicht gestattet), hat sich auf einer Seite des Außenzeltes ein
kleiner Stausee von etwa 1/2 Quadratmeter bei bis zu 5cm Tiefe gebildet. Und ich halte es für kaum möglich: Unter dem Außenzelt ist es absolut trocken. Es überrascht mich sowieso, dass nach 3 Tagen nur solche Nässe
im Zelt ist, die ich selber eingeschleppt habe.
Tag 18: Juneau - Mendenhall Gletscher
Juneau hat als Hauptstadt von Alaska zwar nur 30.000 Einwohner, ist aber mit 8000 km2 flächenmäßig größer wie Los Angeles. Und Juneau hat auch seinen eigenen Hausgletscher, den Mendenhall Gletscher. Diesen Gletscher wollen wir heute an seiner Seitenflanke erwandern.
Leicht dezimiert (einige haben einen Stadtbummel in Juneau vorgezogen) macht sich unsere Truppe zunächst weniger feucht als vielmehr fröhlich (später dann mehr feucht als fröhlich) auf den Trail, der im Regenwald
neben der Gletscherzunge des Mendenhall Gletschers verläuft.
Zu Beginn sind es nur einige Regentropfen, die nach einer halben Stunde in einen Schauer und später in einen Wolkenbruch ausarten werden. Neben der Nässe wird die ganze Sache auch noch zu einer regelrechten
Schlammschlacht, aber da müssen wir durch. So müssen Goretex-Jacke und Regenhose beweisen, was sie bei ihrer Herstellung alles gelernt haben.
3 Stunden später bietet sich nach 500 Höhenmeter ein herrlicher Blick von oben auf den Gletscher, auch wenn er versucht, sein vom Juneau Icefield kommendes Antlitz durch Nebelschwaden zu verbergen. Dass natürlich
jeder komplett durchnässt ist, versteht sich von selbst. Auch ist das nasse Felsgestein hier oben sehr glitschig.
Meine Regenhose hat die Nässe von Außen abgehalten, aber leider auch nicht alles herausgelassen. Die Goretex-Jacke hat zwar wegen 100%-Luftfeuchte physikalisch nicht funktionieren können, hat aber das Wasser an den
meisten Stellen abhalten können. Einzig durch den Dochteffekt ist an den Reißverschlüssen zur Achselbelüftung das Wasser an die Ärmel gewandert.
Mein australischer Filzhut ist zwar wegen des Wassers mindestens 3-4x so schwer als üblich, aber unter dem Hut ist es trocken, auch läuft das Wasser nicht in den Rücken hinein, da die Krempe groß genug ist. Den
Wanderschuhen war die Nässe egal, von Ihnen war kein Interesse vorhanden, irgendwelche Wassermoleküle aus der Umgebung auch nur in die Nähe der Käsezucht im Schuhinnern zu bringen.
Eigentlich müsste der ganze Kerl nach der Wanderung in den Wäschetrockner, manche von uns haben gleich zweimal nachgeschaut, ob Ihnen wirklich keine Kiemen gewachsen sind, aber ein Wäschewechsel muss ausreichen,
bevor es zum Power-Shopping nach Juneau geht.
Wie schon in Skagway, so landen auch in Juneau die Kreuzfahrtschiffe an. In Juneau können sie fast schon mitten auf den Marktplatz ihre Anker werfen, denn von der Landungsbrücke bis zur Einkaufsmeile sind es keine
100m.
Schon ein imposanter Anblick, wenn dann gerade ein Schiff wie die 294m lange “Spirit” der Carnival Cruises auf dem “Marktplatz” parkt. Ansonsten gibt es wieder die gleichen Geschäfte wie in
Skagway, alles zu stolzen Preisen. Mein Cappuccino mit Käsekuchen erleichtert meinen Geldbeutel um stolze 14 US-Dollar.
Folglich werden wir auch heute wieder selber kochen, aber heute müssen zum letzten Male meine Kochkünste herhalten.
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