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Je weiter wir nach Norden kommen, desto niedriger werden die Bäume, aber von dem, was man landläufig als Tundra bezeichnet, ist weit und breit nichts zu sehen, denn überall gibt es noch Bäume. Hier sind sie aber nach Hunderten von Jahren gerade einmal so hoch, dass sie als Baumschulzöglinge für Bonsaibäume herhalten könnten. 20km nördlich vom Eagle Plains Hotel lässt sich auch der erste Elch auf dem Dempster Highway blicken, aber schön im Unterholz versteckt. Bei Kilometer 403 ist der Polarkreis erreicht, an dem Breitengrad, wo an einem Tag die Sonne nicht unter (Sommeranfang) und an einem Tag die Sonne nicht aufgeht (Winteranfang). Das zugehörige Denkmal steht an einer Anhöhe mit herrlichem Ausblick auf die Richardson Mountains im Norden. Dort sind auch ergiebige Schneefälle zu erkennen und bei uns ist klarster Sonnenschein bei Windstärke 8. Zwischendrin ist “Tundranatur” in ihren schönsten Farben. Normal wären wir von hier aus noch 50km weiter und hätten in den Richardson Mountains übernachtet, wir haben aber beschlossen, gleich wieder zurück in Richtung Tombstone Mountains zu fahren. Einen Zwischenhalt legen wir am Eagle Plains Hotel ein, zur duftmäßigen Generalinstand- setzung, denn in den letzten 4 Tagen gab es keine Duschmöglichkeit mit Temperaturen oberhalb der Gefriergrenze. Im Panoramarestaurant sind Bilder von der Lost Patrol und von der Suche nach dem Mad Trapper ausgestellt, der am Silvesterabend 1931 einen Mountie (kanadischen Polizisten) erschossen hatte. Da dies der erste Fall in der Geschichte Kanadas war, war die Auswirkung damals gewaltig, 48 Tage lang wurde er hier im weitläufigen Norden gesucht, erstmals auch mit einem Flugzeug. Hollywood widmete mit Charles Bronson als “Mad Trapper” der Sache ein Leinwandepos. Von Eagle Plains sind in der Ferne große Buschfeuer erkennbar, da die Sicht bei wolkenlosem Himmel sehr weit geht. Vorsichtig sollte man sein, wenn man sich hier Wald mit 100-jährigem Baumbestand andrehen lässt (siehe Bild rechts). Unterbrochen von einigen Fotostopps erreichen wir den Tombstone Campground in der Nähe des North Folk Passes am späteren Nachmittag (das ist hier etwa 19 Uhr), wo wir die nächsten beiden Nächte unsere Zelte aufstellen werden. Der Zeltplatz selbst ist heute fest in deutscher Hand, denn von Wikinger und Diamir ist auch eine Truppe da, sodass es beim Kochen und Essen etwas eng zugeht, denn die Kochgelegenheiten sind begrenzt. Tag 10: Mount Monolith, Tombstone Mountains Heute steht unsere zweite Tageswanderung an, vom südlich gelegenen Grizzly Creek aus wollen wir zum Aussichtspunkt mit Blick auf den 2362m hohen Mount Monolith in Angriff nehmen. Es sind zwar nur 650 Höhenmeter, aber was unsere Motivationskünstler wieder für Anschläge in der Hinterhand haben, haben sie uns noch nicht verraten. Der gekennzeichnete Trails startet auf den ersten Kilometer im Wald, gesäumt von den ersten Tierlosungen. Da Elche in Kanada Moose heißen, sollte man vorsichtig sein, wenn einem in der Tundra “Moose au chocolate” angeboten wird, das kann dann eine ziemlich besch...eidene Angelegenheit werden. Weiter führt uns die Strecke durch Beerenhecken, Beeren (nicht Bären) in jeglichen Ausführungen und das auch noch in reifem Zustand (Brombeeren, Hagebutten, Heidelbeeren, Preiselbeeren, usw.), für den kleinen Hunger zwischendurch ist ausgesorgt. Wieder am Berggrat entlang windet sich der Trail gipfelwärts, heute bei angenehmen Temperaturen um die 20°C. So erreichen wir nach gut 3 1/2 Stunden den ersten Zwischengipfel, den wir als Endstation nutzen. Von hier aus sollte einem sich auch ein Blick auf den Mount Monolith und dem Grizzly Bear Lake am Fuße des Berges bieten, die heutigen Wolken sind da aber anderer Meinung. So ergibt sich nur ein ganz kurzer Blick auf den Mount Monolith, den See kann man nur erahnen. Tja, normalerweise ist es für mich immer die angenehmere Angelegenheit, einen Berg herabzugehen, da ich nie Probleme mit den Knien wie viele andere habe, aber es gibt ja auch noch andere Reiseindividuen: |
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Dempster Highway, Kilometer 403, am Polarkreis 66°33’ Nord |
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Dempster Highway, Kilometer 403, Blick auf die im Schneefall gehüllten Richardson Mountains, Natur in ihren schönsten Farben |
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Dempster Highway, Kilometer 350, Tundra und Buschfeuer in der Nähe von Eagle Plains |
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Dempster Highway, Wapiti-Hirsche |
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Tombstone Mountains, Grizzly Bear Lake Trail |
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Tombstone Mountains, Grizzly Bear Lake Trail |
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Tombstone Mountains, Mount Monolith |
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Wie bringt man nun jemanden den Berg runter, der einfach keine Lust mehr dazu hat (mit einem Gesichtsausdruck, als müsste man jeden Augenblick mit einem selbstmörderischen Sprung über die Felsen rechnen). Das jemand keinen Bock hat einen Berg hinaufzugehen kann ich ja noch nachvollziehen, aber das der Abstieg auf relativ guten Trampelpfaden zu Motivationsproblemen führt. Wenn das bei der Kanutour in den nächsten Tagen so weitergeht, das kann ja heiter werden. Und damit ist auch schon gesagt, was in den nächsten Tagen an der Tagesordnung sein wird. Tag 11: Tombstone Mount. - Carmacks Der heutige Tag dient zur Anreise zu unserer 3-tägigen Kanutour auf dem |
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Nachdem sich alle mit meinen Käsespätzle den Magen vollgeschlagen haben (erstmals wurde alles aufgegessen und das bei 2 Kg Nudeln und 2 Kg Käse, 600g Schinken und 3 Dosen Champignons) und 11 Personen, lassen wir den Abend an unserem Zeltplatz bei Carmacks direkt am Yukon mit ein paar Bierchen ausklingen. So vergehen die Stunden am Lagerfeuer. Als ich so gehen 1 Uhr nachts auf den Himmel hinauf blicke, denke ich mir, die Wolke schaut doch etwas komisch aus. Als sie aber beginnt, sich wie eine Schlange zu bewegen, steht fest, das sind die ersten Polarlichter, die wir heute sehen und das bei fast Vollmond. Sind die ersten Erscheinungen noch weiß, so lassen sich die nächsten Polarlichter es sich nicht nehmen, auch andere Farben wie rot und grünlich zu benutzen. Zum Fotografieren ohne Stativ ist es zu dunkel, das habe ich aber erst beim Entwickeln der Filme feststellen dürfen. Zunächst haben sich der Film und anschließend ich mich darüber im wahrsten Sinne des Wortes schwarz geärgert. |
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